Blogschau

Monatsrückblick April 2011

Gut, der April hat noch ein paar Tage, aber ich will die Gelegenheit nutzen, das zu machen, was ich im letzten Monat nicht mehr geschafft habe und einen meiner kleinen Rückblicke schreiben. Es ist ja — trotz des gegenwärtigen, eher in den April passenden Wetters — doch noch Frühling geworden, Zeit für den Garten, die Geschlechtsorgane der Sträucher und Kräuter (auch dort, wo die Toten begraben sind) und natürlich auch jene der Menschen. Am Ende bleibt ganz viel Gelbes. Und natürlich war auch Zeit für den gepflegten Aprilscherz, der zumindest mir einen ordentlichen Schrecken eingejagt hat — ganz im Gegensatz zum Aprilscherz der hannöverschen Polizei. Weiblichkeit sollte eben an anderen Dingen festgemacht werden als an Schuhen und Lippenstift.

Der Sommer kommt! Möge er bald kommen! Bis dahin ein bisschen Musik zum Frühling

Ereignetes

Die große Welle von KanagawaWenn ich an Fukushima denke, dann denke ich in erster Linie an ein Erdbeben und an einen Tsunami, aber hierzulande überwiegt natürlich die Diskussion um die Kernenergie (das ist das Wort für Homöopathen, Allopathen lesen bitte einfach “Atomkraft”). Das mutmaßlich vorübergehende Abschalten der Kernkraftwerke in der Bundesrepublik ist natürlich der übliche Aktionismus zum Wahlk(r)ampf und genau so schamlos, aber es könnte schreckliche Folgen haben. Die “Endlagerung” — geht es eigentlich nur mir so, dass der Klang dieses Wortes so bitterlich an “Endlösung” erinnert — von Atommüll ist hingegen genau so schamlos und führt zuweilen zu heiteren Suchspielen. Tja, so ein Regierungsmitglied ist auch nur ein Mensch. Also flugs auf den Zug der Zeit springen, wie einer, der sich vor nichts ekelt. Ob man das Wort “Demokratie” wohl gefahrlos durch “Demagogie und Demoskopie” ersetzen kann? Moment, da war doch auch noch eine globale Erwärmung. Die Metapher des Wachstums ist fragwürdig.

Seit Fukushima gibt es eine Unsitte der professionell schreibenden und redenden Zunft, die sich zum Glück in den hannöverschen Blogs nicht niedergeschlagen hat: Auf einmal wird alles Misslingen als ein GAU oder im journalistischen Hyperlativ als ein Super-GAU bezeichnet. So nutzen sich die Wörter ab und verlieren ihre ursprüngliche Bedeutung. Aber was die Leute von blogcounter.de da machen, das kommt einem Reklame-GAU schon nahe; einem gemeinen, arroganten Unfug. Da mag auch Wikio Experts nicht zurückstehen.

Ach ja: Es gibt jetzt einen Verein mit Namen “Digitale Gesellschaft”, der so richtig laute Lobbyarbeit leisten will. Für andere hats sich schon immer gut gesprochen, und dort, wo das Digitale dem Analogen begegnet…

Nichts sagt mehr aus über das Menschenbild bei Facebook als die Mails über nahende Geburtstage von Freunden: “Hilf ihnen beim Feiern!”

…verbreitet sich gern eine ganz besondere Kälte. Ich glaub, ich steh im Wald. Wer seine Website ohne die hierzulande üblichen Risiken betreiben will, der verlässt die Abmahnrepublik Deutschland und den European Cyberspace und geht ins Exil. Und zwar am besten ohne eine Tracking-Wanze in der Tasche.

Ach ja, das Hasen- und Eierfest gab es auch, für Christen übrigens das höchste Fest im Kirchenjahr (nein, das ist nicht Weihnachten). Wenn die noch fruchtlosen Sträucher mit Eiern behangen werden, die Flammen in die Nacht lodern und die sympathischen Rammler allgegenwärtige Dekoration sind, schimmert allerdings das frühere, pagane Fruchtbarkeitsfest überdeutlich durch. Und jetzt kommen die Maikäferchen.

Angemerktes

Ich finde es übrigens beim Rückblicken erstaunlich, dass niemand überdas politische Buch des Jahres geschrieben hat — das Treiben der nachgerschröderten SPD scheint wohl völlig unwichtig geworden zu sein.

Bücher

Filme

Sechs-n-neunzich

Ich bin ja eher weniger begeistert vom Brüllball und von Hannover 96, aber wo stehen die gerade in der Tabelle?! Wie ist das gelaufen?! Das kann ja heiter werden in der kommenden Saison — und zum Glück diesmal ohne Werder Bremen.

Post des Monats

[...] wie nur selten wurde mir klar, was das tolle an Musik ist: da sitzt jemand, der Spaß und Freude an dem hat, was er tut, und schafft es andere daran teil haben zu lassen. Genau das ist es, worauf es ankommt. Den Moment zu leben. Mehr geht nicht. Scheiß auf Selbstdarstellung, Gelderwerb, Eindruck beim anderen Geschlecht schinden. Das hat dieser Junge mir so klar gezeigt, wie kaum ein anderer Musiker, dem ich in letzter Zeit zugehört habe, sei auf Live oder aus der Konserve.

Wie immer sind diese Auswahl, die hergestellten Verbindungen und die Anmerkungen völlig subjektiv und entstammen nur meiner heiteren Betrachtungsweise, die auf einige Menschen geradezu krank wirkt. Dieser Rückblick darf, kann und soll beliebig zerrissen werden. Euer Elias

Monatsrückblick Februar 2011

Huch, war das wieder ein kurzer Februar. Für mich, der ich mir nicht von einem Kalendersystem vorschreiben lasse, wie ich die Dinge empfinde, beginnt wie für die Alten das neue Jahr erst im März, wenn die Sonne spürbar länger wird und der landwirtschaftliche Zyklus mit der Saat beginnt. Für andere hingegen beginnt der Sommer im Februar. Oder es ist noch Weihnachten. Oh, hinfort, du Düsternis!

Ereignetes

Wenn man Blogs liest, die sich im weitesten und hämischsten Sinne mit Politik beschäftigten, könnte man denken, der Februar sei der Monat der Zwischenablage gewesen, selbst Ägypten und Libyen traten dahinter zurück. Ein Freiherr, der an seinem schon überlangen und mit Titeln gezierten Namen noch einen Doktor anflantschen will und dabei vor keinem Mittel zurückschreckt, ist aber in seiner Kindischkeit auch komisch. Zwar ist das Wahljahr so super nicht, aber werbewirksam für den konservativen Wertekanon wäre es trotzdem nicht geworden, so einen im Kabinett zu haben. Bleibt nur zu hoffen, dass er nicht auf ähnliche Weise süße Mädels kennenlernen will.

Zum Glück für uns alle: Das sind Geschichten aus dem fernen, dröhnenden, brütenden Berlin, und wir sind hier zwischen Pizza, Bier und Kindern in der harmlosen Stadt an der Leine, der ehemaligen Hochburg des Dadaismus. Ach, ehemalig! Ganz so öde ists jetzt ja auch nicht, und meiner unbescheidenen Meinung nach hat die kestnergesellschaft (kleinschreibung beachten) mit dem ehemaligen Goseriedebad wohl einen der schönsten Ausstellungsorte weit und breit. Der Dadaismus freilich, der ist kommunale Politik geworden, immer frei von vernünftigem Ziel vorwärts nach weit, nur nicht so strukturiert wie ein Schwittersches Werk. Obwohl, es ist ja nicht nur Lokalpolitik, auch in der politischen Berichterstattung gibts einen deutlichen Hang zu realdadaistischen Kunstformen, wenn etwa Korrespondenten ins Ausland geflogen werden, um dort dann die Agenturmeldungen zu verlesen. Die Aktuelle Kamera war da damals ehrlicher…

Ja, ja, der Dadaismus: Der neue Landtag wird jetzt doch nichts. Dabei glaube ich kaum, dass es hätte hässlicher werden können als es jetzt ist. Aber das habe ich in Hannover schon oft gedacht, und dann konnte das Auge doch keine hübsche Welt mehr schaffen.

Ach ja, wer zöge sich da nicht gern in die Privatheit zurück?! Da fällt man nicht so leicht rein wie in der garstigen Außenwelt. Außer vielleicht auf die soziale Pflichtübung des Schenkens zum Valentinstag, die manchmal recht unfriedliche Gedanken hervorruft. Manche Menschen machen falsches Geld, aber öfter macht das Geld falsche Menschen.

In einem Krankenhaus kann man einiges erleben, zum Beispiel finden sich dort viele Biotope. Dass Hygiene Infektionskrankheiten vermeidet, scheint eine Erkenntnis zu sein, die unter dem imperativen Diktat der Einsparung um jeden Preis keine Bedeutung mehr hat. Gründlicher ist man da schon beim Stellen einer Rechnung.

Wie üblich: Bei den Werbern, die beim Versuch, drögen Mist als tolles Produkt anzupreisen keinen Einschlag mehr bemerken, hackt es.

Anmerkung

Übrigens finde ich, dass hier ein wirklicher Mangel an food porn herrscht — und wenns nur die gebratene rohe Kartoffel ist ;)

Umgezogenes

Nicht wirklich umgezogen ist Eileen Steinbach, aber das Blog ist nun in einem Unterverzeichnis, und die Adresse für den RSS-Feed hat sich natürlich auch geändert. Nur als kleiner Hinweis für alle, die einen Feed-Aggregator verwenden…

Ausgeblicktes

Jetzt ist wieder CeBIT — und nachdem die Deutsche Messe AG so viele Jahre lang versucht hat, “normale” Menschen zu vertreiben, ist inzwischen selbst die gemeine Beutelratte, die sich vor allem einen 10-Jahres-Vorrat Kugelschreiber nebst dem ganzen Sondermüll des Werbe-Tinnefs mitnimmt, wieder sehr erwünscht. Nach allem, was ich mitbekommen habe, war es nicht besonders schwierig, eine Freikarte für diese wenig erquickliche Veranstaltung zu bekommen. auf der man schon seit Jahren keine richtigen Fachleute (außer fürs Marketing und fürs Bullshit-Schwafeln) mehr sehen kann. Die Zahlen werdens danken, und sie werden feierlich als großer Erfolg gemeldet werden, es wird wieder von Wachstum gesprochen werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jeder so abgegessen von diesem Zirkus ist wie ich, und ich freue mich schon darauf, einiges darüber zu lesen. Also von euch, den Bloggern aus Hannover, nicht bei heise online und nicht in der unreflektiert Pressemeldungen abschreibenden und chip-chip-hurra jubelnden Journaille. Oh, habe ich “Journaille” gesagt… sorry, mein Verhältnis zur Presse ist nun einmal etwas getrübt. Wer sich angesichts des meist etwas dümmlichen Geschwafels dort langweilt, kann sich ja die Zeit mit der Bingo-Karte vom letzten Jahr vertreiben — das Wort cloud computing kommt darauf auch schon vor.

Beglückwünschtes

  1. Wow, sechs Jahre Bloggen sind eine Menge. Hoffentlich kommt so ein Blog niemals in die Schulpflicht, denn spätestens dann wird es dröge.
  2. Vincent Amadeus macht Onkel.
  3. Willkommen in Hannover. Übrigens haben alle Dinge, die einen jeden Tag nerven, einmal mit einem Entzücken angefangen. (Ach, bin ich heute wieder destruktiv…)

Post des Monats

Es gibt doch noch eine Verwendung für das Atomklo die Schachtanlage Asse

Wie immer habe ich diese kleine Zusammenstellung völlig willkürlich gemacht und finde, dass sie verrissen werden muss. Leider habe ich nur einen sehr provisorischen Arbeitsplatz dafür zur Verfügung gehabt, so dass ich viel zu hektisch vorgegangen bin. Hoffentlich ist es mir dennoch gelungen, leidlich ausgewogen zu bleiben. Euer Elias

Monatsrückblick Januar 2011

Ja, ich weiß, es ist erst der 25. — aber ich werde in den nächsten Tagen nicht dazu kommen. Besser früh als gar nicht…

Das Jahr 2010 und damit das gesamte Jahrzehnt der “Nuller Jahre” ist vergangen, das Jahr 2011 ist gekommen. Auch, wenn mancher nach den üblichen Feiern zum Wechsel des Kalenders etwas schwächelt, wird doch alles gut. Hofft man wenigstens. Zumindest aus meiner Sicht stellt sich das neue Jahr stets als genaue Sehkopie des alten Jahres heraus. Wer klug ist, hält sich gar nicht erst mit Vorsätzen auf.

Bloggesund ins neue Jahr

Hihi, das klingt ja wie eine gute Satire auf die Hohlheit typischer Reklametexte. Wer bei WordPress.com bloggt — kann ich übrigens nur empfehlen, bei technischen Problemen hat sich sogar der Mail-Support als verblüffend gut, freundlich und schnell für einen kostenlosen Anbieter erwiesen, und ein bisschen Englisch können wir doch alle — der (oder die) hat zum Anfang des Jahres eine Mail mit einem Rückblick auf die Blognutzung 2010 und eine Menge hübscher Zahlen bekommen. Darin war auch ein tolles Bolg-Health-o-Meter™, das selbst einem meiner Blogs, das mit maximal drei bis vier Besuchern pro Tag auf den Ozeanen der Irrelevanz dahindümpelt, ein “Wow” bescheinigte. Was habe ich gelacht!

Apropos Lachen — Wer nicht selbst bloggt oder aus anderen Gründen keinen Sinn für Humor hat: Auch bei der Bloglektüre im neuen Jahr ist zu beachten, dass es sich bei richtigen Blogs um Mitteilungen “gewöhnlicher Menschen” handelt, die ihre Gedanken, Erfahrungen, Einfälle, Ideen im Internet festhalten. Dabei kann manchmal neben reizvollen Fotos feliner Lebensformen auch Satire entstehen, natürlich. Wenn man nicht mehr lachen kann, wird das Dasein ja unerträglich. Satire kann auch mal geschmacklos, zynisch, fröhlich boshaft sein, sie ist ja ein Scherz aus dem Schmerz. Und eine Satire, die nach etlichen Missverständnissen mit einem “Warnhinweis” versehen wurde, dass es sich hier um eine Satire handelt, ist nicht mehr lustig, sondern ein Denkmal der Humorlosigkeit. Halbwegs wache Menschen erkennen eine Satire durch Hinschauen. Wenn die Satire gut ist, allerdings erst auf dem zweiten Blick. Und dann gibt es natürlich noch die Realsatire. Warum ich das alles schreibe? Na, langer Rede dürftiger Sinn ists, dass ich Hannover in Wirklichkeit mag — trotz der Ödnis des Schützenplatzes und etlicher Anblicke, von denen die Augen erbrechen wollen:D

Ereignetes

Die weihnachtliche Freudenzeit reichte wie gewohnt bis Epiphanias in das neue Jahr hinein und damit weit über die Zeit des Festes und des Geschenkumtausches hinaus, und auch das Bloggerwichteln zog sich etwas, bis das letzte Päckchen ankam — doch es gibt immer Grund zur Hoffnung, auch wenn man von DHL wahnsinnig werden kann. Nur für Spammer gibt es keine Hoffnung mehr, vor allem nicht für Christina Metternich.

Guter Hoffnung war wohl auch der hannöversche Madsack-Verlag… ähm… die Mediengruppe Madsack, unter auffallend günstigen politischen Bedingungen jetzt auch Fern-Sähen zu können, doch dessen/deren Frühling findet nun doch erst im Herbst statt. Wenigstens gibt es dort jetzt den Einblick in die Wirklichkeitsverpasser aus der hannöverschen “Bloggerszene” (mein Unwort des Jahrzehnts) auch auf toten Bäumen gestempelt.

Apropos “Bloggerszene”: Noch nicht ereignet hat sich übrigens das Bloggertreffen, das findet erst am 30. Januar 2011 um 15 Uhr im Mister Q statt.

Wenn der Schnee geschmolzen ist, dann wird wieder sichtbar, was er gnädig verdeckte, und nach dem Winter des Grauens kommt das Hochwasser des Entsetzens über uns. Da entsteht schon einmal ein Eindruck dessen, was uns noch vor wenigen Monaten als Leinebogen von der HAZ verkauft werden sollte. Na, jetzt soll Hannover ja wieder grüner werden. Zumindest von außenrum. Wegen des Klimaschutzes.

In den USA hat man zurzeit das Problem, dass das Gift für die Hinrichtung durch Totspritzen ausgeht. Vielleicht sollten einfach niedersächsiche Hühnereier aus “sorgfältig” kontrolliertem Vogelanbau genommen werden, obwohl dieses Gift leider noch ein paar Verunreinigungen aufweist. Vielleicht wird man dort aber eher eine Sarah Palin zur Hilfshenkerin machen, deren unverhohlene Lust am Mord die Spatzen von den Dächern twitterten.

Wir lernen nicht für die Schule, wir lernen fürs Leben. Das übrigens meist nicht an der Schule, da lernt mancher nur, dass LehrerInnen ihre Paranoia verängstigte Weltsicht in einen Lebensschaden für einen Schüler verwandeln können. Na, wenigstens ist die Parallelwelt Schule gut vom zwingenden Blick gesichert. Ja, man merke es sich fürs Leben! Es sind eben nicht alle gleich, und in einer anderen Parallelwelt sprechen manche gar von sich selbst in der dritten Person — ganz offenes Blendwerk, und nicht das übliche politschwafelnde “wir”, dass den Eindruck erwecken soll, dass für viele andere gesprochen wird, während meist die Interessen weniger vertreten werden.

Nein, es sind keineswegs alle gleich. Manche Internet-Firmen zum Beispiel lassen eine Domain wegpfänden und geben zur Vereinfachung dieses Vorganges eine… ähm… zweifelhafte Schätzung des Wertes ab. Die müssen es ja wissen als Internet-Firma, scheint sich der Richter gesagt zu haben, und so kam Euroweb damit auch durch. Erstmal. Ob der dafür verantwortliche Richter auch ansonsten die röm.-kath. Form der Wahrheitsfindung anwendet, ist allerdings nicht bekannt.

Gewarntes

Ich weiß ja nicht, wie viele von euch auf Facebook aktiv sind. Aber die Warnung vor einigen umlaufenden Hacks mit allerlei kleinen Nutzlos-Programmen sollte sich jeder zu Gemüte führen, der seinen Facebook-Auftritt nicht zu einer Litfaßsäule für die fragwürdigen Angebote krimineller Spammer machen will.

Daumengedrücktes

Viel Erfolg bei den bevorstehenden Klausuren!

Neues

  1. Fachanwalt für IT-Recht ist ein guter Kandidat für die werbewirksamste Blogbezeichnung in Hannover, aber wahrlich kein aufdringlich nach Reklame schmeckendes Blog.
  2. Dichtheit & Wahrung kenne ich noch aus einer Zeit, in der dieses Blog “Der Kutter” hieß — und habs hier wirklich vermisst.
  3. Gedankenkotze und sowas ist schon im Dezember dazu gekommen, aber erst kurz nachdem ich den Monatsrückblick geschrieben habe.
  4. Etwas ganz ähnliches gilt für Mit 70 beginnt das Leben — leider hat der RSS-Feed dort zurzeit einen kleinen Fehler, wie generell bei Blogspot gehostete Blogs oft ein Härtetest für den hier verbauten Code werden. Vielleicht sollte ich mir mal eine Woche Luft schaffen und alles besser machen, meine TODO-Liste für das Bloggende Hannover sieht inzwischen erschröcklich aus…

Kaum beginnt sich die hannöversche Lokalpresse für Blogs aus Hannover zu interessieren, um in müden Zeiten das gebieterische Papier mit besonders preiswert erstellten Content zu befüllen, schon werden viele Menschen auf das Bloggende Hannover aufmerksam. Ich bin froh, dass ich da nicht mitgemacht habe. Es gibt wirklich schon genug unterbezahlte und unbezahlte Arbeit zugunsten einer kleinen Clique von Besitzenden in diesem hübschen Land.

Fehlendes

Ich bin übrigens hocherfreut, dass niemand über das gegenwärtige “Zirkussterben” zu bloggen scheint. Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler, Menschen sind dabei wertlos.

Angekündigtes

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die zurzeit hier verbauten Foren demnächst ersatzlos verschwinden werden. Schon, als ich die beim Redesign mit eingebaut hatte, fragte ich mich nach dem Sinn dieses Features — hat doch jeder hier sein Blog. Und in der Tat wurde das Forum nicht angenommen, was ich gut verstehen kann. Aber der eigentliche Grund, warum es demnächst verschwinden wird, ist der Umgang der bbPress-Entwickler mit einer schweren Sicherheitslücke. Was ich im verlinkten Text beschrieben habe, ist auch heute noch, vier Wochen später am 25. Januar, deprimierende Tatsache. Ich habe hier zwar Vorkehrungen getroffen, dass ein Hack keine allzu schweren Schäden anrichten könnte, werde aber dennoch alle Projekte mit darin verbauten bbPress-Foren auf eine andere Software-Basis stellen. bbPress ist ein totes Pferd.

Schnappschuss des Monats

Hannover-96-Fans beim Schwittern, der realweltlichen Alternative zum Twittern.

Es ist ja überflüssig, das zu erwähnen, aber meine Monatsrückblicke sind allesamt völlig subjektiv und aus Links zu willkürlich ausgewählten Blogpostings zusammengesetzt. So etwas kann, darf und soll beliebig gefleddert werden. Euer Elias

Monatsrückblick Dezember 2010

Ach, für den Oktober habe ich schon keinen Rückblick hinbekommen, und im trüben November habe ich es nicht einmal hinbekommen, darauf hinzuweisen, dass ich es nicht hinbekomme — eigentlich schade, dass man neben dem Internet noch so ein lästiges Leben mit teilweise sehr unerfreulichen Aspekten hat. Da will ich jetzt doch wenigstens etwas schreiben und hoffe, dass ich mal die Ruhe dazu finde.

Der weiße Tod

Es ist mal wieder fürchterlich, wir werden alle sterben. Selbst die Fraktale schon frosteklirr. Alle reden vom Wetter, und sogar die Deutsche Bahn redet diesmal mit. Dass ich das noch einmal erleben darf, dass ein großes deutsches Unternehmen zu seinen Kunden sagt, dass sie die Dienstleistung, mit der dieses Unternehmen ein Geschäft machen will, doch besser nicht in Anspruch nehmen sollen. Und morgen empfiehlt mir Microsoft, kein Windows zu benutzen und der Papst legt den Katholiken den Kirchenaustritt nahe. Als ich noch jung war, da verstand man unter dem “weißen Tod” die damals schon seltene, aber in den ungesunden, feuchten Ghettolöchern meiner ausgelieferten Zeit immer noch sehr präsente Tuberkulose. Heute fällt der weiße Tod vom Himmel, wenn man den ganzen Schreckensmeldungen vom “Winterchaos” glauben darf, die im üblichen Alarmismus durch die Medien getrieben werden, auf dass auch alle Sinne gut mit sinnlosem Infomüll abgestopft und davon ermattet und ermüdet werden. The same procedure as last year — oh ja, schon im letzten Jahr konnte ich mich da nicht mehr zurückhalten:

BALD -- Angst macht gefügig -- Schön, aber gefährlich: Schneeflocken. Die weißen Mörder. Werden wir alle sterben?

Ach, wie schrecklich doch dieser mörderische Horrorwinter aussehen kann! Erstaunlich, dass dabei mancher Mitmensch greifbar glücklich aussieht. Und da der Schnee leider immer noch Temperaturen von unter Null Grad Celsius hat, lobt man sich ein Vlies aus kuschelbunten Stoffen, und wer ein anderes Leben als ich führt, setzt sich mit winterlichen Leckereien in die warme Stube. Ein guter Moment, darüber nachzudenken, was für ein Blogger man oder frau eigentlich so ist. Oder auch einfach nur, um auf der Matratze vor der Glotze zu liegen und sich darüber zu freuen, wie gut HD wirklich aussieht. Mann kann natürlich auch farbloser Lokalpolitiker sein und vom extrafressend Turbosalz auf den Straßen der Stadt fantasieren, die wie jedesjahr ungeräumt in drecksam braunegrauer Pracht liegen. Wer hingegen eher etwas Körperwärme von zuchtlosem, warmem Fleisch haben mochte, konnte auch auf seine Kosten kommen. Na, vielleicht hat ja der eine oder andere ein besser gelegenes Haus oder doch wenigstens den schönsten Platz für seine Zukunft. Oder den gar nicht so warmen summer inside.

Manchem ist der Schnee ja auch nicht genug, und überall zum Jahresende in den Blogs rieselts javascriptgesteuert durch die Seiten. Keiner denkt daran, dass auch die Datenautobahn geräumt werden muss. In Hannover gabs den ersten Winterschaden im Internet, die Online-Bürgersprechstunde musste wegen des Schneefalls ausfallen.

Weihnachten

Sie mag ja ein Konglomerat aus Geschichtsirrtümern, Wunschdenken, Dogmatik sein, eine wertlose Fantasie, die Weihnachtsgeschichte der Christen. Trotzdem macht sich im Dezember doch immer eine beachtliche Feierlichkeit breit, süßer die Kassen nie klingeln. Und statt der alten Irrtümer nimmt man lieber das kommerztauglichere Märchen vom Odin Weihnachtsmann. Warum ich den Odin überhaupt erwähne, wo ich ihn doch gleich wieder streiche? Na, der rote rote Weihnachtsmann (nicht mit Gott und Jesus Christus zu verwechseln) als anthropomorpher Fliegenpilz hin oder her, aber in der Innenstadt konnte man durchaus einigen Berserkern begegnen, bei denen mich die Annahme eines maßlosen Konsums halluzinogener Pilze mit Verständnis für ihre Tätigkeiten erfüllte. [Auf isländisch heißt der kleine Rotkopf übrigens berserkjasveppur, ich gebe ja zu, dass nicht jeder meine Assoziationsketten nachvollziehen kann. Ich übrigens auch manchmal nicht.] Diese Menschen nennen die Tätigkeiten ihrer kleinkalibrigen Berserkerwut übrigens “Baum aufstellen“, “Dekoration“, “Weihnachtsfeier” (ich könnte das wohl nicht anziehen), “Einkauf“, “Weihnachtsmarkt” und “Gesang“. Auch die Spammer betätigen sich jahresendzeitlich als Berserker auf jedem denkbaren Kanal. Gut, dass am Nachmittag des 24. Dezembers alles vorbei ist und nur die Plätzchen wartend auf den leckerbeißend Mund und ein geisterhaft dünstelnder Festhauch bleiben. Und bald feiern wir die Geburt des eierlegenden Hasen. Tja, aber erstmal müssen sich noch einige ausgiebig darüber freuen, dass sie ihre Familie nur einmal im Jahr so nahe um sich haben wie zum Fest des Friedens. Sicher ist jedenfalls, dass die christliche Religion die alten paganen Feste nur in neue Legenden gekleidet hat, und heute haben wir den allgemeinen Irrfug. Die Glocken läuten. Geh weiter und verstau sie!

Sonstiges

Schluss mit dem Unbaum! Nein, hinter X-Mess ist der Punkt ein zu Setzender! Δῶς μοι πᾶ στῶ καὶ τὰν γᾶν κινάσω — aber das will auch erstmal in LaTeX gesetzt sein. Wenn solche Tücken den leichten Adlerflug der Gedanken in den bücksamen Kriechgang der Technikbedienung wandeln, nimmts doch nicht Wunders, dass die olle Erde immer noch auf der gleichen Bahn um den Schwerpunkt des Sonnensystems ellipselt.

Mit der Technik und gewissen Schwierigkeiten mit dem Punkt hats auch die HAZ — da ists jetzt vorbei mit der inhäusigen Technikkompetenz. Das merkt man zum Beispiel, wenn das… nee, ich sags lieber neutral… seriös layoutete hannöversche Presseprodukt über die “Szeneder Blogger schreibt. (Natürlich nur fast aller.) Das Veröffentlichen eines vom Madsack-Verlag äußerst preisgünstig erworbenen Contents auf diversen Madsack-Websites klappt ja noch, aber da mal einen Link reinsetzen, das ist für die “neue Netzkompetenz” ein bisschen zu viel verlangt.

Geüstrates

Unfassbar! Misburg bekommt doch wieder Straßenbahnen. Ich kann mich erinnern, dass es die schon in den Achtziger Jahren geben sollte…

Sechsenn-Neunzich

Was ein wirklicher Fan ist, wird sich die Bundesliga-Tabelle vom 10. Dezember wohl ausgedruckt und an die Wand gehängt haben.

Bücher

Filme

Huch, nur einer…

Völlig außerhalb jeder Konkurrenz die alltime tops (soll ich das nicht lieber als “zeitlose Gipfel” in meiner Muttersprache sagen?) der Weihnachtsfilme bei Mythopoeia, Eileen Steinbach und einem obskuren Stöckchenscherzer.

Glückwünsche

Eileen Steinbach hat Geburtstag gefeiert und verschweigt natürlich die laufende Nummer. Ich überlasse das Zählen auch lieber dem Computer, aber mir sieht man ja auch schon an, dass ich dem Tod jeden Tag in sein knöchernes Antlitz schaue.

Ach ja, es war zwar erst nicht so sicher und dann gabs erstmal Probearbeit, aber das Spielkind hat Arbeit. Hoffentlich eine erträgliche. Und nicht eine, die man nur über Spam angeboten bekommt.

Krieg

Ach ja, der verdammte Krieg läuft auch noch — und von wegen keiner geht hin… der Krieg als Talkshow ist zwei Größenordnungen unterirdischer, als ich es mir in meinem schlimmsten Zynismus hätte ausdenken können. Was kommt da als nächstes? Das von Stefan Raab und Dieter Bohlen produzierte Afghanistan-Musical mit dem Happy Taliban Choir, dem balladenhaften Song of The Free Dead Ones, dem March of the Body Bags und dem großen Finale Holy Heroes From German Reich Germany? Und Der Stürmer das Sturmgeschütz des tiefgelegten Boulevardjournalismus fordert “Klappe halten“, während man sich das Frühstück noch einmal durch den Kopf gehen lässt. Nee, wir sollen schließen, alles hat reduziert zu sein. So richtige Schlafprofis sollen wir sein. Und wie die offizielle bundesdeutsche Außenpolitik dieses Ding mit der europäischen Integration sieht, ist auch recht klar geworden.

Klar, das ist wie immer eine total subjektive Auswahl, und eventuelle Verbindungen zwischen den Themen habe ich nur auf Grundlage meiner zuweilen etwas unkonventionell arbeitenden Phantasie errichtet. Das darf und soll alles beliebig gefleddert werden. Euer Elias

Monatsrückblick September 2010

Nachtrag: Gibt es denn keine Sache, die so einfach ist, dass ich sie nicht falsch machen kann. Anders, als dieser Text ursprünglich überschrieben war, ist es natürlich der Rückblick auf den September 2010, nicht auf den Oktober — sonst wäre ich auch ein guter Hellseher. Und der vor uns liegende Monat wäre seltsam vertraut. ;-)

So ein September (Tschüss!) hat gewisse Ähnlichkeiten zum April, was das Wetter betrifft. Dieses kann noch spätsommerlich nett und warm sein, aber eben auch launenhaft und regnerisch. Allerdings gibt es keinen Mai, der auf den September folgt, aber manchmal macht ja auch der Oktober alles neu. Es steht allerdings zu befürchten, dass nicht alles im Oktober so schnell neu wird, wie es in einem Video neu zu werden scheint. Und manchmal hinterlässt die Erneuerung auch gewisse Spuren. Manche scheinen beim Erneuern eher ihre psychischen Probleme zu externalisieren. Nein, es wird Herbst, da wird Hannover wieder trüb, trist, traurig. Und viele japanische Rollenspieler leben zwar fern von Hannover, aber sie kennen das Ihmezentrum.

Ach, so ein Wochenende an der Nerdsee, das wäre mal wieder etwas!

Ereignetes

Neu wird übrigens auch die Programmierung der Ampel-Anlagen in der Innenstadt, weil man vergessen hat, dass mehr Leute zu Fuß kommen, wenn man in diesem Ernst-August-Scheusal plötzlich einkaufen kann. Vielleicht braucht man dann auch nicht mehr eine Dreiviertelstunde, um ums Steintor zu kommen. Na, wer achtet schon auf idiotische Ampeln.

Rot gesehen haben einige auch wegen Thilo Sarrazins… ähm… sozialdarwinistischer Thesen und ihres medialen Widerhalles, und andere eben nicht, der Ton dieses Retters des Abendlandes wird beim Volke doch verstanden. Dass allerdings jemand, dessen Thesen lautes und teils wohlwollendes Echo in Glotze und Journaille finden, in der Gossenpresse den Eindruck erwecken kann, dass seine Meinungsfreiheit in Gefahr ist, das deutet schon auf eine gerüttelt Maß des Realitätsverlustes hin. Fragt sich nur noch, wieviel Geld man damit verdienen kann.

Rot sehen kann man übrigens auch, wenn man den Maschen gewisser Abzocker dort begegnet, wo man eigentlich seine Mail lesen möchte. Und nein, das war keine “kleine Klitsche”, die diese LayerAds geschaltet hat. Manchmal ist meine Lust, die Vielfalt Deutschlands anzunehmen, sehr gedämpft — und das liegt nicht an Migranten, sondern an politisch gewünschten Zuständen.

Dabei ist doch eigentlich grün die Farbe Hannovers, dieser Stadt im Grünen, in der zu wenige sehen, was sie haben. Leider hatten mal wieder einige Stadtentwicker Visionen und sind damit nicht zum Arzt gegangen, und so entstand die Idee, dass man das Grün doch mit braunen Wassern bedecken könnte. Damit das nicht so trübe klingt, wie es in Wirklichkeit wäre, haben sie den Plan “Leinebogen” genannt, die Flutfläche in der Illustration blau gefärbt und sprachen vom Freizeitwert und von…

Eine Impression der Pläne, mit Google Earth erstellt

…Größe, denn dieses wassergefüllte Loch sollte ein Zwölffaches der Ausdehnung des Maschsees erhalten. Na, wenigstens hätte es nicht nach Urin, Erbrochenem und Kot geduftet. Konjunktiv? Ja. Denn zum Glück für eine gute Hälfte der Stadt wird aus dem feuchten (Alp-)Traum nichts, und wenn die forschen Planer nicht gestorben sind, denn kümmern sie sich demnächst hoffentlich um die Stadtentwicklung in Venedig. Mein Tipp: Trockenlegen und zugige Betonschüsseln reinsetzen! Was uns von diesem Unsinn bleibt, ist die Erinnerung an eine Phantomdiskussion, die es nicht gäbe, wenn sie nicht von der HAZ angeschoben worden wäre.

Mit dem Herbst kommt auch wieder die Weihnachtszeit, deren marketingtechnischer Beginn sich zum Glück schon von Ende August auf Ende September verlagert hat. Ach, läge er doch Mitte Dezember! Na, manchem gefällts auch, und zugegebenermaßen bin auch ich ein Fan des ganzjährigen Stollens. Bei den Spekulatius würde ich aber niemals versuchen, den Serviervorschlag umzusetzen.

Deutschland geht es übrigens gut. Einigen Einwohnern nicht so.

In Deutschland gibt es übrigens auch einen im Volke sehr beliebten… ähm… Wehrminister. (Die Amtsbezeichnung “Verteidigungsminister” ist mir doch eine Spur zu satirisch, wenn der gelegentlich mal eine Ansprache bei den Kameraden in Afghanistan macht.) Und dieser Minister hat eine Gesponsin, die gerade als Frontfrau in den Talkshows die Freifrau von Zensursula 2.0 darstellt — und natürlich die gar nicht so aristokratische Bildzeitung zur Verbreitung ihres substanzlosen und empörenden Geschwurbels einspannt, wohl auch, weil sie hofft, dass bei den Lesern dieses Blattes der Denkmuskel ein bisschen unterentwickelt ist. Offenbar können die Guttenbergs auch kein Englisch, so dass sie sich nicht an den unmissverständlichen Texten von AC/DC stoßen können.

Filme

Etwas außerhalb der Reihe gibt es noch eine Trailer-Show — einschließlich durch den Raum fliegender 3D-Metzelinstrumente. Und nicht vergessen, über die Ästhetik des Bösen im torture porn weiterzulesen.

Bild des Monats

Das Bild des Monats zeigt eine Werbung, die wie eine Bombe eingeschlagen ist.

Post des Monats

Schon darüber nachgedacht, wie es aussähe, wenn Springfield in der Bundesrepublik läge und wenn es dort Wahlkämpfe mit unseren tollen Parteien gäbe? :D

Wie immer ist meine Auswahl subjektiv und einseitig. Alle hergestellten Verbindungen zwischen Themen entspringen der Dunkelkammer meiner Wahr-Nehmung in trüben Zeiten. Sie darf und soll beliebig gefleddert werden. Euer Elias

Monatsrückblick August 2010

Ja, dieser August dauert noch ein paar Tage, aber wenn er sich so viel Mühe gibt, jetzt schon wie der beginnende Herbst zu wirken, denn darf er sich nicht wundern, dieser August, dieser! Außerdem weiß ich mal wieder nicht, ob ich in den nächsten Tagen eine vernünftige Arbeitsumgebung für den doch immer sehr netz- und zeitfordernden Rückblick habe, also haue ich heute schon in die Tasten. Wenigstens gibts beim gegenwärtigen Fehlen verdammt angenehmer Temperaturen nicht so viel Wäsche, und dem Regnen in die Leine kann man ja auch eine gewisse Faszination abgewinnen. Es beginnt eben wieder die Zeit für Regengeschichten.

Ereignetes

Der Sommer hatte seine üblichen Vergällungen und Steigerungen des Geräuschpegels, die man hier “Kultur” nennt: Beim Maschseefest konnte man sich vielerlei Dinge für das Einführen in den Mund kaufen und allerhand Musizierende und Füße betrachten. Wer in Linden blieb, konnte sich mit weniger Einführen in den Mund, dafür aber mit Zaun drumherum zum Fährmannsfest begeben — interessanterweise war ich an dem Wochenende in Linden, und wurde so häufig nach dem Weg zum Gelände gefragt, dass ich mir sicher bin, dass ein erklecklicher Anteil der Besucher gar nicht aus Linden kam. Na, da haben diese Leute wenigstens einmal bemerkt, wo in Hannover das urbane Leben stattfindet — in der Innenstadt tut es des nämlich weniger. Da ist etwas in Ansätzen vorhanden, kann aber in der Darbietung nicht überzeugen. (Herrliche Beschreibung, wenn auch nicht für die Stadt abgegeben…) Da gibt es ja nicht einmal Stichmännchen im Rotlichtviertel. Die Verpackung ist eben nicht alles.

Viele viele Möglichkeiten bietet die Stadt. Und das hat sie mit vier Pflastern gemeinsam. Ein bisschen an ein Pflaster erinnert es übrigens auch, wenn man mitteilen soll, warum man Hannover liebt, damit diese Aussagen zur Verschönerung des Ihmezentrums verwendet werden. Na, wo ein Insolvenzverwalter mitmacht, gerät so etwas schnell zur Realsatire, die am ehesten noch dem Freundeskreis Sprachpansch gefällt. (Nachtrag: Wer ein bisschen mehr sehen will, der Frontbumpersticker hats fotografisch dokumentiert.) Ach, apropos Ihmezentrum und Realsatire, da kann ich nur die Website zum Linden-Park empfehlen, die ungefähr so lange schon so daliegt, wie Carlyle das Weite gesucht hat und die 35.000 m² hinphantasiertes Einzelhandelszentrum mit Fachmärkten als Schrotthaufen zurückgelassen hat. Und dann doch wieder Sprachpansch, denn die Werber, die dieses Dingsda benamst haben, konnten mal wieder weniger Deutsch, als sie Englisch sprachen, und so kam es zum doppelt gemoppelten Ausdruck “shopping mall”. Der ist fast so gut wie “LED Display-Anzeige” oder “Eingangs Entry Point” (beide schon gelesen). Die Metrik des Eigentums wird auch durch bunte Farben und farbige Worte nicht hübscher. Schon schade, dass Beton nicht brennt.

Wenn ich etwas an Googles Street View störend finde, denn die Tatsache, dass es die Hässlichkeit der Architektur vervielfältigt, ohne dass da Hoffnung auf Verpixelung bestünde. Demnächst wird Google wohl auch Bilder vom Ihmezentrum ins Web tragen, die man dann einmal mit Bildern vor dem Umbau vergleichen kann. Unfassbar, es ist übler geworden. Und das Kröpcke-Center gibt auch gerade einen sehr malerischen Einblick in die Stadt, damit im Hannover des Nordens ticken die Menschen halt anders als im Hannover des Südens und nehmen jede Beglückungsidee ihrer Stadtplaner widerstandslos hin. Und diese Beglücker scheinen ihre Architektur-Programme billig gekauft zu haben. Ich hoffe ja, dass Hannover bald in Street View verfügbar ist, damit ich jemanden bei einer Verabredung am Kröpcke diese Bilder stecken kann und so sanft zu einem angenehmeren Platz drängen kann.

Übrigens gilt nach Meinung der Hamburger Dunkelkammer für Bilder im Internet kein Urheberrecht mehr.

Wenn schon nicht wegen Hannovers Architektur die Häuser verpixelt werden, so wird zum Trost wenigstens wegen Hannovers herrschender Klasse die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit schwarzen Balken entbuchstabt. Wer wissen will, was da geschwärzt wird, findet es leicht an anderer Stelle wieder. Ich hoffe ja sehr, dass wir in absehbarer Zeit mit der gleichen Haltung auf die Bilder in Street View schauen, während die Architektur der Stadt völlig anders geworden ist, irgendwie weniger kalt, dafür mit hübschen Ecken angereichert und so beschaffen, als ob sie zu etwas anderem diene als einem logistisch optimierten Geschäftsvorgang. Im Moment wirkt Hannover, als ob es eine Stadt wäre, die man am besten von oben betrachtet.

Foodporn

Beim letzten Bloggertreffen hatte ich mal angemerkt, dass es seit dem Verschwinden des pink diary gar keinen richtigen food porn in den hannöverschen Blogs mehr gibt. Dem Spielkind seis gedankt, das ändert sich! Ob aus Resten Nudeln mit Sommergemüse werden, ob es Sushi gibt, Schmorgurken oder auch mal fünf Kilo Kekse. Das Wasser läuft im Munde zusammen.

Gezwitschertes

Twitter erzwingt übrigens jetzt den Umstieg auf oAuth. Warum? Na, vermutlich weil Twitter ein riesiges Problem mit Spam und geownten Accounts hat. Gegen die Seuche der Twitter-Spam hilft es allerdings (noch) nicht, dafür muss jetzt jeder Blogger, der in sein selbstgehostetes WordPress das populäre Plugin Twitter Tools verbastelt hat, auf die neue Version von Twitter Tools upgraden. (Das alte Verfahren funktioniert nur noch sehr eingeschränkt.) Und die Konfiguration dieses Plugins ist ziemlich zickig. Vieleicht ist den technisch weniger versierten Menschen mit meiner “Kurzanleitung” für die Konfiguration ein bisschen geholfen. ;-)

Sechsundneunzig

Bei allem Bemühen um Ausgewogenheit, aber für Fußball bin ich wirklich das falsche Publikum. Das liegt nicht etwa am Fußball, sondern an den Leuten, die sich gewöhnlich versammeln, um gemeinsam anderen Menschen beim Fußballspielen zuzuschauen und an den seltsamen Ritualen zur Erschaffung eines durchaus lärmenden kollektiven Geistes, an dem diese einzelnen Leute dann für ein paar Stündchen ihre sonst mühsam gepflegte Kultiviertheit abgeben. Ein bisschen erinnert jede größere Gemeinschaft von Fußballfans an einen mordbrennenden Mob, auch vom Inhalt der sprachlichen Äußerungen her. Andere Sportarten haben Zuschauer, die ich viel angenehmer finde, Billard zum Beispiel — auch trägt dort in der Regel niemand an einem heißen Sommertag einen Schal. Aber seit Die Roten im Bloggenden Hannover sind, ist auch der bierbrüllende Fußball meinem Leben hinzugefügt, und ich will meinen Defaitismus mal ein bisschen zügeln, so eine Bundesligamannschaft in der Stadt ist ja doch für ein paar Menschen ein interessantes Thema. Und die Saison hat auch wieder angefangen. Wie sie angefangen hat, zeigte sich leider schon im Vorfeld an der Beta-Version der Mannschaft. Und im Pokal… ach, vergessen wirs doch lieber.

Nahverkehrtes

Man kann Mitglied bei Pro-D-Tunnel werden. Nur noch einmal explizit hier erwähnt, damit es nicht untergeht.

Gestorbenes

Christoph Schlingensief ist an seinem Krebs gestorben.

Filme

Und völlig außer jeder Konkurrenz: Brainstorming.

Interessant auch noch das Stöckchen, welche Filme aus den besten Einhundert der IMDb man denn schon gesehen hat. Dies verraten Mythopoeia, Eileen Steinbach, Phil und das Blog-Haus.

Post des Monats

Ich habe ja schon manchen komischen Kommunikationsversuch erlebt, auch in den Zeiten, in denen ich wesentlich gesellschaftskonformer lebte. Unter anderem habe ich einige Wochen lang einen Programmierer auswählen “dürfen” und hatte jeden frischen Morgen zur Begrüßung einen gebieterischen Stapel Mappen auf dem Tisch, und in jeder dieser Mappen bewarb sich jemand um einen Job, der recht hoch dotiert war. Ich hätte niemals vorher geglaubt, dass Absolventen deutscher Hochschulen so einen Bullshit in so einer mieserablen Rechtschreibung zu Papier bringen könnten (ganz offensichtlich ohne mal jemanden Korrektur lesen zu lassen) und dass sie darüber hinaus völlig unfähig zu sein scheinen, sich einfach mal zu fragen, was denn so einen Menschen mit einem Stapel Mappen auf dem Tisch besonders interessieren könnte. Um dieses kleine Geheimnis zu verraten: Das Foto ist es ebensowenig wie die Fähigkeit des Bewerbers, bei der Auswahl von Schriftschnitten und Schriftgrößen völlig emanzipiert von jeder Übersichtlichkeit oder gar Ästhetik vorzugehen. Aber eine kurze (von mir aus auch als Anlage reingelegte) Zusammenfassung, was einer kann und was einer schon gemacht hat, damit ich eine schnelle Vorsortierung machen kann, vielleicht eine kleines Anschreiben in englischer Sprache dazu (das war ein wichtiges und in der Stellenanzeige hervorgehobenes Kriterium, denn wer dort kein Englisch konnte, der war ausgeschlossener aus der Kommunikation als die beiden Leute, die kaum Deutsch konnten) — ja, so etwas hätte mir dieses Abarbeiten sehr erleichtert. Wer jemals vor der Aufgabe steht, Bewerbungen schreiben zu müssen: Denkt bitte an den armen Menschen, der irgendwo einen ganzen Stapel davon auf dem Tisch liegen hat und versucht, sich beim Marsch durch diesen Dschungel aus Papier zu motivieren! Denkt daran, dass dieser Mensch die einzelnen Mappen auseinandernimmt, um besser vergleichen zu können, und seht zu, dass auf jedem Blatt irgendwo euer Name und am besten auch eine Telefonnummer für eine kurze Rückfrage steht! Vieles Unklare lässt sich so klären, und dies vermutlich zum beiderseitigen Vorteil. Und wenn ihr eure Bewerbung als E-Mail versendet, nehmt bitte ein Dateiformat, dass jemand ohne Windows auf seinem Rechner nicht mit einem cat attachment.doc | strings | less in seiner Unix-Shell lesen muss, zumal das Dokument dabei eine oft sehr heitere Geschichte seiner früheren Änderungen erzählt! (Der Trick, den ich hier mal kurz benannt habe, funktioniert nur mit älteren Office-Versionen, aber die jetzigen Dokumente sind gezippte XML-Dateien und lassen sich ebenfalls “spanabhebend” lesen.) Ein PDF lässt sich aus jeder modernen Software heraus erzeugen. Und wenn ihr wissen wollt, wie man wirklich alles bei einer Bewerbung falsch macht, denn lest mal bei blog2.de weiter

Oder ist das nur eine Pflichtefüllung für die ARGE? Na, das sieht man.

Wie immer ist diese Auswahl völlig subjetiv und die Links und Verbindungen sind völlig willkürlich nach den Maßstäben meiner manchmal vielleicht pathologischen Heiterkeit gesetzt. Es darf, soll, muss zerrissen werden. Euer Elias