Monatsrückblick September 2010
Nachtrag: Gibt es denn keine Sache, die so einfach ist, dass ich sie nicht falsch machen kann. Anders, als dieser Text ursprünglich überschrieben war, ist es natürlich der Rückblick auf den September 2010, nicht auf den Oktober — sonst wäre ich auch ein guter Hellseher. Und der vor uns liegende Monat wäre seltsam vertraut.
So ein September (Tschüss!) hat gewisse Ähnlichkeiten zum April, was das Wetter betrifft. Dieses kann noch spätsommerlich nett und warm sein, aber eben auch launenhaft und regnerisch. Allerdings gibt es keinen Mai, der auf den September folgt, aber manchmal macht ja auch der Oktober alles neu. Es steht allerdings zu befürchten, dass nicht alles im Oktober so schnell neu wird, wie es in einem Video neu zu werden scheint. Und manchmal hinterlässt die Erneuerung auch gewisse Spuren. Manche scheinen beim Erneuern eher ihre psychischen Probleme zu externalisieren. Nein, es wird Herbst, da wird Hannover wieder trüb, trist, traurig. Und viele japanische Rollenspieler leben zwar fern von Hannover, aber sie kennen das Ihmezentrum.
Ach, so ein Wochenende an der Nerdsee, das wäre mal wieder etwas!
Ereignetes
Neu wird übrigens auch die Programmierung der Ampel-Anlagen in der Innenstadt, weil man vergessen hat, dass mehr Leute zu Fuß kommen, wenn man in diesem Ernst-August-Scheusal plötzlich einkaufen kann. Vielleicht braucht man dann auch nicht mehr eine Dreiviertelstunde, um ums Steintor zu kommen. Na, wer achtet schon auf idiotische Ampeln.
Rot gesehen haben einige auch wegen Thilo Sarrazins… ähm… sozialdarwinistischer Thesen und ihres medialen Widerhalles, und andere eben nicht, der Ton dieses Retters des Abendlandes wird beim Volke doch verstanden. Dass allerdings jemand, dessen Thesen lautes und teils wohlwollendes Echo in Glotze und Journaille finden, in der Gossenpresse den Eindruck erwecken kann, dass seine Meinungsfreiheit in Gefahr ist, das deutet schon auf eine gerüttelt Maß des Realitätsverlustes hin. Fragt sich nur noch, wieviel Geld man damit verdienen kann.
Rot sehen kann man übrigens auch, wenn man den Maschen gewisser Abzocker dort begegnet, wo man eigentlich seine Mail lesen möchte. Und nein, das war keine “kleine Klitsche”, die diese LayerAds geschaltet hat. Manchmal ist meine Lust, die Vielfalt Deutschlands anzunehmen, sehr gedämpft — und das liegt nicht an Migranten, sondern an politisch gewünschten Zuständen.
Dabei ist doch eigentlich grün die Farbe Hannovers, dieser Stadt im Grünen, in der zu wenige sehen, was sie haben. Leider hatten mal wieder einige Stadtentwicker Visionen und sind damit nicht zum Arzt gegangen, und so entstand die Idee, dass man das Grün doch mit braunen Wassern bedecken könnte. Damit das nicht so trübe klingt, wie es in Wirklichkeit wäre, haben sie den Plan “Leinebogen” genannt, die Flutfläche in der Illustration blau gefärbt und sprachen vom Freizeitwert und von…

…Größe, denn dieses wassergefüllte Loch sollte ein Zwölffaches der Ausdehnung des Maschsees erhalten. Na, wenigstens hätte es nicht nach Urin, Erbrochenem und Kot geduftet. Konjunktiv? Ja. Denn zum Glück für eine gute Hälfte der Stadt wird aus dem feuchten (Alp-)Traum nichts, und wenn die forschen Planer nicht gestorben sind, denn kümmern sie sich demnächst hoffentlich um die Stadtentwicklung in Venedig. Mein Tipp: Trockenlegen und zugige Betonschüsseln reinsetzen! Was uns von diesem Unsinn bleibt, ist die Erinnerung an eine Phantomdiskussion, die es nicht gäbe, wenn sie nicht von der HAZ angeschoben worden wäre.
Mit dem Herbst kommt auch wieder die Weihnachtszeit, deren marketingtechnischer Beginn sich zum Glück schon von Ende August auf Ende September verlagert hat. Ach, läge er doch Mitte Dezember! Na, manchem gefällts auch, und zugegebenermaßen bin auch ich ein Fan des ganzjährigen Stollens. Bei den Spekulatius würde ich aber niemals versuchen, den Serviervorschlag umzusetzen.
Deutschland geht es übrigens gut. Einigen Einwohnern nicht so.
In Deutschland gibt es übrigens auch einen im Volke sehr beliebten… ähm… Wehrminister. (Die Amtsbezeichnung “Verteidigungsminister” ist mir doch eine Spur zu satirisch, wenn der gelegentlich mal eine Ansprache bei den Kameraden in Afghanistan macht.) Und dieser Minister hat eine Gesponsin, die gerade als Frontfrau in den Talkshows die Freifrau von Zensursula 2.0 darstellt — und natürlich die gar nicht so aristokratische Bildzeitung zur Verbreitung ihres substanzlosen und empörenden Geschwurbels einspannt, wohl auch, weil sie hofft, dass bei den Lesern dieses Blattes der Denkmuskel ein bisschen unterentwickelt ist. Offenbar können die Guttenbergs auch kein Englisch, so dass sie sich nicht an den unmissverständlichen Texten von AC/DC stoßen können.
Filme
Etwas außerhalb der Reihe gibt es noch eine Trailer-Show — einschließlich durch den Raum fliegender 3D-Metzelinstrumente. Und nicht vergessen, über die Ästhetik des Bösen im torture porn weiterzulesen.
Bild des Monats
Das Bild des Monats zeigt eine Werbung, die wie eine Bombe eingeschlagen ist.
Post des Monats
Schon darüber nachgedacht, wie es aussähe, wenn Springfield in der Bundesrepublik läge und wenn es dort Wahlkämpfe mit unseren tollen Parteien gäbe?
Wie immer ist meine Auswahl subjektiv und einseitig. Alle hergestellten Verbindungen zwischen Themen entspringen der Dunkelkammer meiner Wahr-Nehmung in trüben Zeiten. Sie darf und soll beliebig gefleddert werden. Euer Elias