Monatsrückblick Februar 2011
Huch, war das wieder ein kurzer Februar. Für mich, der ich mir nicht von einem Kalendersystem vorschreiben lasse, wie ich die Dinge empfinde, beginnt wie für die Alten das neue Jahr erst im März, wenn die Sonne spürbar länger wird und der landwirtschaftliche Zyklus mit der Saat beginnt. Für andere hingegen beginnt der Sommer im Februar. Oder es ist noch Weihnachten. Oh, hinfort, du Düsternis!
Ereignetes
Wenn man Blogs liest, die sich im weitesten und hämischsten Sinne mit Politik beschäftigten, könnte man denken, der Februar sei der Monat der Zwischenablage gewesen, selbst Ägypten und Libyen traten dahinter zurück. Ein Freiherr, der an seinem schon überlangen und mit Titeln gezierten Namen noch einen Doktor anflantschen will und dabei vor keinem Mittel zurückschreckt, ist aber in seiner Kindischkeit auch komisch. Zwar ist das Wahljahr so super nicht, aber werbewirksam für den konservativen Wertekanon wäre es trotzdem nicht geworden, so einen im Kabinett zu haben. Bleibt nur zu hoffen, dass er nicht auf ähnliche Weise süße Mädels kennenlernen will.
Zum Glück für uns alle: Das sind Geschichten aus dem fernen, dröhnenden, brütenden Berlin, und wir sind hier zwischen Pizza, Bier und Kindern in der harmlosen Stadt an der Leine, der ehemaligen Hochburg des Dadaismus. Ach, ehemalig! Ganz so öde ists jetzt ja auch nicht, und meiner unbescheidenen Meinung nach hat die kestnergesellschaft (kleinschreibung beachten) mit dem ehemaligen Goseriedebad wohl einen der schönsten Ausstellungsorte weit und breit. Der Dadaismus freilich, der ist kommunale Politik geworden, immer frei von vernünftigem Ziel vorwärts nach weit, nur nicht so strukturiert wie ein Schwittersches Werk. Obwohl, es ist ja nicht nur Lokalpolitik, auch in der politischen Berichterstattung gibts einen deutlichen Hang zu realdadaistischen Kunstformen, wenn etwa Korrespondenten ins Ausland geflogen werden, um dort dann die Agenturmeldungen zu verlesen. Die Aktuelle Kamera war da damals ehrlicher…
Ja, ja, der Dadaismus: Der neue Landtag wird jetzt doch nichts. Dabei glaube ich kaum, dass es hätte hässlicher werden können als es jetzt ist. Aber das habe ich in Hannover schon oft gedacht, und dann konnte das Auge doch keine hübsche Welt mehr schaffen.
Ach ja, wer zöge sich da nicht gern in die Privatheit zurück?! Da fällt man nicht so leicht rein wie in der garstigen Außenwelt. Außer vielleicht auf die soziale Pflichtübung des Schenkens zum Valentinstag, die manchmal recht unfriedliche Gedanken hervorruft. Manche Menschen machen falsches Geld, aber öfter macht das Geld falsche Menschen.
In einem Krankenhaus kann man einiges erleben, zum Beispiel finden sich dort viele Biotope. Dass Hygiene Infektionskrankheiten vermeidet, scheint eine Erkenntnis zu sein, die unter dem imperativen Diktat der Einsparung um jeden Preis keine Bedeutung mehr hat. Gründlicher ist man da schon beim Stellen einer Rechnung.
Wie üblich: Bei den Werbern, die beim Versuch, drögen Mist als tolles Produkt anzupreisen keinen Einschlag mehr bemerken, hackt es.
Anmerkung
Übrigens finde ich, dass hier ein wirklicher Mangel an food porn herrscht — und wenns nur die gebratene rohe Kartoffel ist
Umgezogenes
Nicht wirklich umgezogen ist Eileen Steinbach, aber das Blog ist nun in einem Unterverzeichnis, und die Adresse für den RSS-Feed hat sich natürlich auch geändert. Nur als kleiner Hinweis für alle, die einen Feed-Aggregator verwenden…
Ausgeblicktes
Jetzt ist wieder CeBIT — und nachdem die Deutsche Messe AG so viele Jahre lang versucht hat, “normale” Menschen zu vertreiben, ist inzwischen selbst die gemeine Beutelratte, die sich vor allem einen 10-Jahres-Vorrat Kugelschreiber nebst dem ganzen Sondermüll des Werbe-Tinnefs mitnimmt, wieder sehr erwünscht. Nach allem, was ich mitbekommen habe, war es nicht besonders schwierig, eine Freikarte für diese wenig erquickliche Veranstaltung zu bekommen. auf der man schon seit Jahren keine richtigen Fachleute (außer fürs Marketing und fürs Bullshit-Schwafeln) mehr sehen kann. Die Zahlen werdens danken, und sie werden feierlich als großer Erfolg gemeldet werden, es wird wieder von Wachstum gesprochen werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jeder so abgegessen von diesem Zirkus ist wie ich, und ich freue mich schon darauf, einiges darüber zu lesen. Also von euch, den Bloggern aus Hannover, nicht bei heise online und nicht in der unreflektiert Pressemeldungen abschreibenden und chip-chip-hurra jubelnden Journaille. Oh, habe ich “Journaille” gesagt… sorry, mein Verhältnis zur Presse ist nun einmal etwas getrübt. Wer sich angesichts des meist etwas dümmlichen Geschwafels dort langweilt, kann sich ja die Zeit mit der Bingo-Karte vom letzten Jahr vertreiben — das Wort cloud computing kommt darauf auch schon vor.
Beglückwünschtes
- Wow, sechs Jahre Bloggen sind eine Menge. Hoffentlich kommt so ein Blog niemals in die Schulpflicht, denn spätestens dann wird es dröge.
- Vincent Amadeus macht Onkel.
- Willkommen in Hannover. Übrigens haben alle Dinge, die einen jeden Tag nerven, einmal mit einem Entzücken angefangen. (Ach, bin ich heute wieder destruktiv…)
Post des Monats
Es gibt doch noch eine Verwendung für das Atomklo die Schachtanlage Asse…
Wie immer habe ich diese kleine Zusammenstellung völlig willkürlich gemacht und finde, dass sie verrissen werden muss. Leider habe ich nur einen sehr provisorischen Arbeitsplatz dafür zur Verfügung gehabt, so dass ich viel zu hektisch vorgegangen bin. Hoffentlich ist es mir dennoch gelungen, leidlich ausgewogen zu bleiben. Euer Elias
