Monatsrückblick Oktober 2011
Wie jetzt? In der Nacht gibt es eine Zeitumstellung, die Sommerzeit ist vorbei? Welche Sommerzeit meinen die? Na, wenigstens wurde ich im Oktober musikalisch an den ebenfalls trüben Sommer 1983 erinnert, den ich auch lieber vergesse. Wenn er auch aus eher persönlichen Gründen kalt und grausam war. Aber wenn ich jetzt diesen vor mir liegenden Texteditor vollheule, wird ja niemals so ein Monatsrückblick fertig, sondern nur… ähm… selbstmitleidiges Geheule. Und wer will das schon lesen?
Das Wetter wurde übrigens von der geheimen Geheimregierung in einer gewaltigen Verschwörung erfunden, damit wir immer etwas zum Reden haben. Ohne, dass wir etwas an den Zuständen ändern können, über die wir so angeregt und aufgeregt reden. Nachdem die Menschheit auf diese Weise konditioniert wurde, konnte sie auch saudoofe Spammer, geistige Eigentümer, so genannte Visionäre, hässliche Fratzen, volksferne Volksvertretungen, heuchelnde Gottesverwalter, korrupte Finanzsysteme und Hannover ertragen. Und wir haben jetzt den Salat und reden viel zu oft übers Wetter, das wegen dieser schiefstehenden und niemals gerade gerückten Erdachse auch noch langperiodischen Schwankungen unterworfen ist, die einen mindestens die Hälfte des Jahres in den Fernsehsessel pressen. Oder zum Lächeln in der Dunkelheit bewegen, wenn die Kamera aufs Gesicht schaut, das Auge der Welt…
Mit der Dunkelheit und dem Winter kommt nicht nur die Kälte, sondern auch wieder Halloween (für das man übrigens keine Uhren braucht). Für meine liebsten Singvögel ändert sich hingegen nichts, außer, dass sie der Gravitation einen Nutzen abflattern können.
Na, man kann ja noch bloggen. Oder dem Rasterstrahl vorauseilen. (Huch, habe ich lange keinen 6502-Assembler mehr gesehen!) Oder numerische Gemüse berechnen lassen.
Übrigens sind es nur noch 56 Tage bis Weihnachten.
Ereignetes
Erstaunlicherweise sind die Abrissbemühungen der aliierten Bomber im Zweiten Weltkrieg nicht vollständig durchgeführt worden. Dennoch kann man ganz schön lange nach einem Fraktionsbüro suchen. Es ist ja schließlich andernorts rechtswidrig und hoch kriminell, wenn man seine Fraktionssitzungen einfach unter freiem Himmel macht.
Die Demokratie ist hier knapp geworden. Deshalb stehen zurzeit maximal zwei Promille der neunundneunzig Prozent auf der Straße. Nachdem sie ihre Demonstration ordnungsgemäß bei einer Polizei angemeldet haben, die andernorts manchmal versehentlich Häuser stürmt. Bahnsteigkarten gibt es ja nicht mehr für diese ganzen Kühe in der eingezäunten Weide…
Seltsamerweise wurde auch der Datenschutz ein Thema, denn die von mir liebevoll “Fratzenbuch” genannte US-Website erlaubt sich da gewisse Freiheiten in ihrer Sammelleidenschaft, die den staatlichen Datenschutzbeauftragten in der Bundesrepublik nicht gefallen. Gewisse gegen ein Urteil des BVerfG verstoßende Freiheiten erlaubt sich auch der geleakte Staatstrojaner, die den staatlichen Datenschutzbeauftragten ziemlich gleichgültig sind. Dafür sorgen jedoch die verantwortlichen Politiker für eine besonders schmerzhafte Unterhaltung.
Das sollte denn doch lieber nicht so im Protokoll stehen. Egal, ob damit eine Primärquelle für spätere Historiker gefälscht wird oder nicht. Schön, dass sich die ganz besondere Rechtschaffenheit dieses Redners darin gespiegelt hat.
Logo
Jemand ist — vermutlich nach dem Abfluss größerer Mengen Bestechungsgelder — auf die gar nicht so naheliegende Idee gekommen, dass die Stadt Hannover ein neues Logo braucht, ein anderes als dieses Hannover-in-der-Klemme-Dingens aus Helvetica und Kreissegmenten. Das Ergebnis kann sich am besten sehen lassen, wenn man es zusammen mit dermaßen hässlichen Seelen präsentiert, dass jedes Werk einer Erstvorlesung Design dagegen hübsch wirkt¹. Auf so etwas wie Aussehen scheint Hannover keinen Wert zu legen.

Erfreulich, dass nicht jeder Ratsherr anlässlich einer solchen Stadt-und-Menschen-in-der-Stadt-Verachtung zugegen sein muss. Einmal ganz davon abgesehen, dass zumindest mir bei Begrifflichkeiten aus der lichtlosesten Krämerseele wie “Stadtmarketing” das Frühstück noch einmal durch den Kopf gehen will. Aber immerhin, es ist so nichtssagend, das alles Kalauern und Satiren an diesem Größten Anzunehmenden Unfug ein Ende findet. Ja. GAU. Aber Bürgerbeteiligung… och nee, lieber ein bisschen Demokratiesimulation im Rathaus.
Die Revolution ist großartig, alles andere ist Quark. Ach nee, ich bin ja noch gar nicht bei den Filmen…
Filme
- Sie küssten und sie schlugen ihn
- Melancholia (auch bei Mythopoeia 2.0)
- Scarface
- Der Soldat James Ryan
Bücher
- DBC Pierre: Das Buch Gabriel
- William S. Burroughs: Naked Lunch
- Selim Özdogan: Heimstrassse 52
- David von Nordstadt: Arschtrittfest
- Jo Nesbø: Der Fledermausmann
Post des Monats
Wie immer sind alle hier miteinander verbundenen Postings nur durch den großen Mixer in meinem möglicherweise kranken Brägen miteinander verbunden worden; die Auswahl ist subjektiv, irrational und so weiter und darf und soll daher beliebig zerfleddert werden. Euer Elias.
¹Ja, ich weiß, wie man “verschiebbar” schreibt. Solche im Entwurf auch beim dritten Drüberschauen unentdeckten Verschreibär halte ich für die Patina des Internet und damit für einen festen Bestandteil des Werkes.