Monatsrückblick September 2011

Monatsrückblick September 2011

Was ist denn da draußen los. Während der Sommer (bis auf diese zwei Tage…) aus kaum geklärten Gründen ein schlechter Herbst war, ist der beginnende Herbst zurzeit ein ganz brauchbarer Sommer — mit fünfundzwanzig Grad im Schatten und überraschend praller Sonne. Was denkt diese gelbe Sau da oben am Himmel sich nur? Aber wehe, man hat des arschkalten Abends kein flauschiges Vlies zu schützen den kaum gekleideten Körper vorm herbstlichen Hauch.

Oh, das deutsche Wort Vlies schreibt sich ja werbeneudeutsch “Fleece”, und der Stabreim ist noch ärger outdated. Und ob man krank wird, das ist inzwischen eine Sache der Einstellung geworden. Na, dann mal zum Aktuelleren aus der langweiligen und dialektfreien Stadt, die wenigstens in ihrer Lautstärke vorwärts nach Taub eilt…

Ereignetes

Aktueller ist zum Beispiel, dass Leute mit Blogkommentaren, die sich mehr an Maschinen als an Menschen richten, in Google nach oben kommen wollen. SEO nennt man diese Form der Spam, und zuweilen gibt es sogar lustige Wettbewerbe, bei denen sich preiswerte Azubis besonders beflissen zeigen. Als ob die Seuche der sinnlosen Kommentare nicht schnlimm genug wäre, kommen auch immer wieder lustige Mails. Tja, “Arschloch” ist ein hartes Wort, aber leider manchmal auch ein passendes. Spam ist nun einmal die Tätigkeit von Arschlöchern. Und oft auch von unfreiwilligen Dadaisten. Wenn man die ganzen Überreste der Spammertätigkeit jeden Tag in der Kloake des Spamfilters dümpeln sieht, mag man nur noch eines sagen: Hier stinkt es gewalttätig!

Das Oktoberfest ist im September. Weihnachten auch. Und dabei haben wir Halloween noch vor uns. Die Zombies haben sich nicht um den Termin gekümmert.

Ach, apropos Zombies, da denke ich gerade an Architekten. Ich bin ja immer wieder erstaunt, wie weithin das Sprengel-Museum am Nordufer des Maschsees bekannt ist. Sicher, der Bau ist nicht wirklich hübsch, aber er vermittelt doch mit seinem künstlichen Hügel am See den Eindruck einer Insel, auf die man gehen kann, wenn man nicht mehr im sonstigen Treiben herumdümpeln möchte; die Einladung eines Ruheraumes, in dem erfahren werden kann, was sonst keinen Raum mehr hat. Einmal ganz davon abgesehen, dass die Treppe auch eine gute Sitzgelegenheit im Sommer abgibt. Wenn ich Bilder solcher Beglückungsideen sehe, dann rotiert vor meinem inneren Auge Kurt Schwitters in seinem Grab auf dem Friedhof Engesohde. Unterdessen wird auch der Kröpcke aufgewertet und das endet hoffentlich nicht wie in der brutalistischen Betonburg zwischen Ihme und Blumenauer Straße.

Natürlich gab es auch mal wieder Kommunalwahlen. Nicht, dass ich zum Freund der CDU geworden wäre, aber angesichts der überwiegend saudummen Wahlplakate, die ich nicht einmal mehr fotografisch dokumentieren wollte, hat die CDU mit ihrer Kampagne Verantwortung für… eindeutig den Preis für die letzten Reste einer Kommunikation des politischen Gestaltungswillens erhalten. Andere wollen eher anderes kommunizieren, um ihren Markenkern vor die Augen zu stellen. Das kann die CDU allerdings auch. Kein Wunder, dass die Wahlbeteiligung da so… ähm… beklagenswert wird, wenn man subjektiv bei der Wahl keine rechte Auswahl hat — so sehr, dass es schon erwähnenswert wird, wenn jemand von seinem Wahlrecht noch Gebrauch macht.

Das Wählen geht wenigstens (noch) anonym. Facebook — von mir gern liebevoll “das Fratzenbuch” genannt, geht nicht anonym. Da wird man gesperrt und aufgefordert das Konto zu löschen, kann es aber nicht löschen, weil man gesperrt ist. Generell hat es “das Fratzenbuch” nicht so mit der Durchschaubarkeit (diese Schwäche ist übrigens zwei Wochen nach Veröffentlichung des verlinkten Postings behoben). Das gefällt doch. Und diese ganzen Gerüchte zur Datensammelwut des “Fratzenbuches” sind einfach nur unwahr. Ansonsten gibt es nette E-Mails.

Ich verstehe den Wahnsinn “Fratzenbuch” eh nicht mehr. Meine Diaspora-ID ist elijahu@diaspora.streusel.org, und das ist mein definitiv letzter Gang in das so genannte Web Zwo Null. Möge sich der Rest doch im skurrilen Imitat eines virtuellen Paradieses datenmäßig enteignen lassen.

Apropos Facebook: Da denke ich doch gleich an die hübschen blauen Aufkleber der Polizei, die inzwischen an vielen Stellen in Hannover sichtbar sind, die sollten eigentlich auch nicht sichtbar sein. Na, so lange man nirgends diesen Aufkleber sieht, ist ja alles in Ordnung. Nicht. Aber wenigstens tut es nicht körperlich weh und macht auch nicht blind. Außer vielleicht für das verdammte Menschenrecht, sich einigermaßen unbeobachtet von irgendwelchen zwingenden Blicken abstrakter Überwacher durch die Welt bewegen zu dürfen.

Filme

Bücher

Der Stapelabbau ist bei den Büchern zuweilen schwierig, aber sollte man deshalb gleich sein Wischibunti-Pad aus dem Fenster werfen. Weil Bücher — sogar eines von Ex-Bumskanzler Gerhard Schröder — so oft eine große Hilfe sind;)

Produkt des Monats

Unbedingt kaufen! Der nächste Valentinstag (mit seinen Herzschachteln und Eisherzen) kommt bestimmt, und spätestens dann wird es Zeit für den angemessenen Wackelpudding.

Unpassender Web-2.0-Button des Monats

Love

Natürlich ist meine Auswahl wie immer völlig subjektiv und kann und sollte in allen Punkten beliebig gefleddert werden. Euer Elias

4 Reaktionen zu “Monatsrückblick September 2011”

  1. dauni sagt:

    Ersteinmal wieder ein fettes “Danke” für den Monatsrückblick. Ich bin bei Diaspora schon vorstellig geworden. Die haben mich auf den Oktober verwiesen und wollen sich wieder melden. Mal sehen, was kommt. Dir alles Gute. :-)

  2. Bei welchem Pod man angemeldet ist, das ist ja letztlich gleichgültig, deshalb habe ich erstmal einfach einen anderen genommen, der schon offen ist. Natürlich ist da fast nichts los, es muss ja alles zum Fäzenbuch und zu Guggelblus.

    Diaspora ist im Moment noch “ziemlich alpha”. Mit dem Firefox kann man es problemlos benutzen, aber da ich sehr häufig einen Opera nehme, komme ich an die ganzen Stolperstellen. (Schade, dass ich im Moment gar keine Zeit und Lust habe, aussagekräftige Bugreports zu schreiben.) Ansonsten ist es wie Google Plus, nur noch aufgeräumter, und ich hoffe, so bleibt es auch.

    Ein schon im Design dezentrales “social network” ist das genaue Gegenteil der ganzen Datensammelapparate irgendwelcher Konzerne. Irgendwann, spätestens nach den ersten drei handfesten Datenskandalen (und die werden kommen), wird das seine eigene Strahlkraft entfalten. Bis dahin bleiben wir wenigstens unter uns. Im Moment gibt es nicht einmal Spam, vermutlich, weil die ganzen Spamheinis zu Google Plus gegangen sind. (Selbst auf Twitter ists ruhiger geworden.)

  3. Tobias sagt:

    Vielen Dank für den Rückblick. Ich liebe das. :-)

    Für einen eigenes Diaproa-Pod brauchst du sicher noch einen Rootserver, oder hast du einen günstigen Rails-Hoster entdeckt?

  4. Tobias sagt:

    (Es sollte Diaspora heißten :-( )

Einen Kommentar schreiben

Hinweis zur Kommentarfunktion: Wenn sie einen Kommentar verfassen, wird ihre gegenwärtige IP-Adresse und ihre angegebene Mailadresse dauerhaft in der Datenbank dieser Website gespeichert. Mit dem Absenden ihres Kommentares erklären sie sich mit dieser Speicherung einverstanden. Wenn sie die Speicherung nicht wünschen, sehen sie bitte vom Verfassen eines Kommentares ab.