Monatsrückblick August 2011
Oh, jetzt hätte ich fast schon August 2012 geschrieben, so geradezu apokalyptisch gesäßkalt mit seiner raren Sonne wirkt dieser so genannte Sommer auf mich. Der hat ja für eine ganz neue Schuhmode gesorgt. Da hilft auch kein Infrarotthermometer, um wenigstens die verbliebenen warmen Stellen in erfreuliche Zahlen zu verwandeln. Nur Flora zeigt, dass es nicht Herbst ist. Oder um es anders zu sagen:
Kurz: Der Augst… oh, jetzt frieren mir schon die Fingerchen ein, und die festgefrorene Mechanik meiner Gelenke verkürzt die Monatsnamen, so dass ich ein Neudeutsch produziere, das fast so schlimm ist wie die Verkürzelung von lat. “Augustus” zu franz. “août”, ich meinte natürlich… August, ja dieser August hält, was der Juni versprochen hat.
Manche freuen sich bei diesem Gruselwetter schon auf Halloween. Es sind übrigens nur noch 116 Tage bis Weihnachten, denkt schon mal an den Einkauf!
Gestern rauschte eine Meldung der Tagesschau an mir vorbei, dass dieser Sommer…

…sogar überdurchschnittlich warm gewesen sein soll. Das kann eigentlich nur bedeuten, dass in der Berechnung des Durchschnittwertes die letzten Eiszeiten mit eingeflossen sind. Aber ich will in der Stadt der hübschen, freundlich aussehenden Menschen mal keinen Trübsinn verbreiten und mache einfach weiter.
Ereignetes
Schwupp und schon stehen sie am rande ihrer existenzen und glauben das ist chic… ja, im virtuellen Randbereich seiner eigenen Existenz kann man vieles finden, das “chic” oder neudeutsch “cute” ist, sich aber bei näherer Betrachtung nicht so wirklich schickt. Die vielen bunten Klickteile zum Beispiel. Oder dekorierte Fenster. Wie einig sich doch der althergebrachte und der moderne Kitsch in ihrer unterkühlten Geschmacklosigkeit sind. Am besten: Nichts wie raus! Dann kann es nur noch aufwärts gehen…
Neben Facebook haben internetaffine Menschen ohne technisches Verständnis jetzt ein weiteres Spielzeug, um ihre Kontakte zu pflegen und einem großen, werbevermarktenden Unternehmen eine ordentliche Datensammlung in die Datenbank zu schaufeln: Google Plus. Oder sollte ich Google+ schreiben? Einen Namen auf einem Additionszeichen zu beenden, ist keine so geschickte Entscheidung, denn die richtige Schreibung wirkt in jedem Text wie ein Fremdkörper. Der technokratisch durchgesetzte Zwang zum Realnamen wirkt hingegen im Internet wie ein Fremdkörper, denn dort ist die Anonymität immanent. Und nein, angesichts der Sammelwut dieser Unternehmen einen falschen Namen zu nehmen, ist sinnlos. Manche benutzen ja sogar breit beworbene Browser von Google. Vernünftigere Menschen nehmen den wirklich nicht schlechten Browser lieber ohne die obskuren Google-Beglückungsideen. Aber für letzteres macht ja niemand Werbung. Und ja, Werbung wirkt. Leider. Und es gibt kein Entkommen…
Apropos kein Entkommen: Die Fußball-Bundesliga hat auch wieder angefangen. Aber es sind ja auch Leute hier, die dem Ballgetrete gar nicht entkommen wollen…
Hannoveraner übrigens, sie sind, wenn im Sommerloch die Seiten der Zeitungen auch einmal mit Vorurteilen gefüllt werden, langweilig und dialektfrei. Vorgestern erst hat mich jemand ut Greetsiel gefraacht, ob ek ook Ostfriese… so viel nur zu dialektfrei. Langweilig hingegen, das könnte stimmen…
Sogar der Kommunalwahlkampf in Hannover wirkt irgendwie langweilig. Interessanterweise ist die CDU die einzige Partei, die konkrete kommunale Themen auf ihre Plakate stempelt. Andere sagen gleich, dass sie draußen bleiben müssen und vergessen, zu erwähnen, wen man eigentlich wählen soll. Von den Personenplakaten gar nicht erst zu reden, die lassen sich trefflich zusammenfassen. Aber dass die CDU in Niedersachsen eine wirklich gute Werbeagentur für ihre Wahlkämpfe einspannt, das fällt mir schon seit Jahren auf. Und Werbung ist ja das Wichtigste. So ein politisches Produkt verkauft man ja nicht mehr anders als eine Marke Klopapier — die sich kaum von den anderen Marken Klopapier unterscheidet, wenn sie nicht gerade ein Nischenprodukt für die perianale Region ist. Oder, wie ich es gestern noch jemanden sagte: Die Entpolitisierung der Gesellschaft ist zu einem großen Teil der Werbung für die politischen Parteien gedankt. Gedankt von den politischen Parteien. Ach, und was ein Politiker mal gesagt hat, dieses Geschwätz von gestern…
Was wäre nur, wenn alles, woran man glaubt, nicht wahr ist? Und wenn die Raupen nur eine von Elektronenstrahl und Ablenkeinheit erzeugte Illusion wären? Wenn die Informationen aus einer Parallelwelt kämen, die ferner als der Mond ist? Wenn das Milliarden Jahre alte Wasser morgen schon verdürbe? Ja, wenn wir alle mit Sinnlosigkeiten schwanger gingen, während uns ein kalter Kaiser regiert?
Ach, es bleibt doch nur noch der Leck-mich-am-Arsch-Sonntag. Oder, wenn das zu langweilig ist, den hektischen und aufregenden Fischen zuzuschauen. Viel Spaß beim Abtauchen!
Filme
- Die Einsamkeit der Primzahlen
- Im Bazar der Geschlechter
- An American Crime
- Twin Peaks (Prequel): Fire Walk With Me
- I Killed My Mother (J’ai tué ma mère)
- Unter Kontrolle – eine Archäologie der Atomkraft
- Das Schmuckstück
Bücher
Hinweis für September
In der Nacht vom 03. auf den 04. September 2011 wird der Fotoklinik e.V. einen Photo-Nightwalk in Hannover veranstalten. Wer Interesse hat: Bitte anmelden (ich hoffe, es geht auch jetzt noch)…
Zitat des Monats
Natürlich sind wieder alle verlinkten Texte völlig subjektiv und nach den Maßgaben meiner eigenen, verzerrten Wahrnehmung ausgewählt wurden; natürlich sind wieder alle hergestellten Verbindungen willkürlich; natürlich darf das beliebig kritisiert und gefleddert werden; natürlich bin ich wie üblich das, was ich bin und auch immer bleiben werde… nämlich euer Elias

Danke mal wieder für deinen informativen Rückblick, mit etlichen Links, die mir mal wieder sonst durch die Lappen gegangen wären. Und für alle interessierten: Anmeldungen für den Photo-Nightwalk sind bis kurz vor knapp möglich
[...] Der Addison-Wesley-Verlag rief in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2011 zu NightWalks (also PhotoWalks in der Nacht) in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit dem Aufruf „Schläfst Du schon oder Fotografierst Du noch?“ auf und Sebastian Gerhard von der Fotokllink e.V. organisierte daraufhin am letzten Wochenende einen Photo-Nightwalk in Hannover. [...]
Danke für die Erwähnung