Monatsrückblick Juli 2010

Monatsrückblick Juli 2010

man spricht
miteinander

weil man
nicht weiss
welche

anschlüsse

etc.

Heiß

Immerhin, ein paar Tage war Sommer, nicht nur im Kalender, sondern auch im Wetter. So richtig ventilatortreibend knallewarm in der Sonne, so dass man sich eher dem Grillen und dem Plantschen hingab als dem ganzen notwendigen Kram, den stupor caloris befürchten musste, wieder einmal erfuhr, dass die Haut empfindlich auf ultraviolette Strahlung reagiert und Eiswürfel-Schnapsgläser konnten richtig hilfreich sein. Oder vielleicht doch lieber eine Kirschsuppe mit Sago? Wer wird da sagen, dass niemand so viel Sommer braucht? Ich jedenfalls nicht, ich hatte endlich einmal meine normale Betriebstemperatur und beginne schon wieder zu frieren.

Übrigens finde ich gerade mal wieder, dass die deutsche Sprache einen wunderbaren Klang hat. Mindestens die Hälte der Weltbevölkerung würde sich bei einem konsonantenreichen Wortgetüm wie “Plantschbecken” Krämpfe im Sprechapparat zuziehen. Es ist Deutsch eben die Orgel unter den Sprachen. So betrachtet ist ja fast schon gut, dass wir nach Meinung der Qualiätsjournalisten in Hannover nur ein mieses Sächsisch sprechen. Die Franzosen sprechen übrigens ein mieses, total verschliffenes und holophrastisch gewordenes Vulgärlatein, und von den Engländern wollen wir gar nicht erst reden.

Recht undeutsch ist übrigens auch die Deutsche Bahn oder besser ihr Hochgeschwindigkeitszug ICE. “Intercity-Express” klingt doch in allen seinen Wortbestandteilen eher ein bisschen… ähm… denglisch, und in besseren Zeiten der deutschen Sprache hätte man sicher von einem “Städteverbindungsschnellzug” gesprochen. Aber wenn man ICE als Akronym nimmt, ist es das englische Wort für “Eis”, und das war in diesem Sommer noch unpassender.

Themen

Was darf in Hannovers Sommer nicht fehlen? Richtig, das größte Schützenfest der Welt. Wenn man in unserer hübschen Stadt nach Sinn und Sinnlichkeit sucht, mag es oft ein wenig nach den Produkten der Flüssigkeitsausscheidung und retroverten Peristaltik müffeln, aber das hindert doch niemanden am Doublierschritt zu eingängigen Rhythmen und am Abbrennen von allerlei Knallzeug und pyrotechnischer Leuchteblume. Und scharf geschossen wird zuweilen in eher unerwarteter Weise und hoffentlich ungefährlich für die eigenen Lebensaussichten. Wohl dem, der wie ein König auf Geldvorräten thront, denn der kann sich die Teilhabe an der großen Sause leisten. Und volltanken.

Ein bisschen Fußball gab es auch noch, es lief ja eine WM. Wie vergessen dieses endlose Getröte der Vuvuzelas zu den Flackerbällen in der Glotze doch jetzt schon wieder ist, obwohl wenigstens einem Zeitgenossen der Ball so sehr zu Kopfe gestiegen ist, dass er im Columbus zwei Menschen ermordete. Und es ist auch nichts geworden mit dem Endspiel Deutschland gegen die Niederlande (von Fußballfans und Bildzeitungslesern wird das Königreich der Sieben Vereinigten Niederlande ja gern “Holland” gerufen), wo allein schon der Text der niederländischen Nationalhymne gar nicht mehr verstehen lässt, was die Anhänger der beiden Mannschaften eigentlich gegeneinander haben: “Wilhelmus van Nassouwe ben ik, van Duitsen bloed [...]“. (Okay, ich sehs ja ein: “Wilhelm von Nassau bin ich, von deutschem Blute” würde man das in het Duits bij de moef sagen.) Dieses Endspiel-Spektakel ist zur Freude der Spanier an uns vorbeigegangen, und nach dem Scheitern im Halbfinale kamen denn unweigerlich die Reporter mit saublöden Fragen auf durchgeschwitzte Fußballspieler zu, statt sie erstmal duschen zu lassen. Wer hat diesen Reportern eigentlich gesagt, dass jemand nach einer großen körperlichen Anstrengung besonders prädestiniert wäre, sinnhaltige Aussagen von sich zu geben? Na, so kamen wir wenigstens schnell wieder zu etwas ganz anderem. Und am Ende waren wir nicht wohl weiser (wenn auch manche/r etwas heiser), aber doch wenigstens älter. (Herzlichen Glückwunsch zum Vierzigsten!)

Unser ehemaliger Ministerpräsident Christian Wulff ist unser ehemaliger Ministerpräsident und unser gegenwärtiges Staatsoberhaupt geworden, und vor Ministerpräsidenten konnte sich Niedersachsen für einen Tag kaum retten. Der Bundeswulff wollte auch gleich Anlässe haben, dass die gute Stimmung von der Fußball-WM durchgetragen wird. Übrigens sollte man einem Rostflecken auch mit der angemessenen Ehrfurcht begegnen.

Früher war Hannover auch einmal ein Brettspiel, wie eine Mischung aus Monopoly und Mensch ärgere Dich nicht. Früher sah die Zukunft übrigens auch malbesser aus, und vieles wurde dann auf seinem Weg nach oben einfach abgeschnitten, und einiges ist zum Glück gar nicht erst so weit gekommen. Auch für die Stadtentwicklung gilt: Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.

Und auch das Internet war früher nicht so problematisch, dass der Bund Deutscher Kriminalbeamter sich einen Not-Ausschaltknopf für das Internet gewünscht hätte. Ich wünsche mir den übrigens auch manchmal. Den beflissenen Polizisten empfehle ich diese hervorragende Site zum Herunterfahren des Internet, danach können sie sich vielleicht wieder auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren und mal ein paar von diesen Halunken dingfest machen. Auch, wenn diese Internet-Kriminellen immer wieder zu heiteren Betrachtungen über Leben und Tod Rot und Schwarz reizen, einmal ganz abgesehen von den Stümpern, die sich in der Hall of Shame zu stapeln beginnen.

Durchaus vergleichbar mit Rot und Schwarz, wenn auch etwas schmerzhafter, ist ja das Nebeneinander von Pink und Türkis, das deshalb besser als ein Nacheinander realisiert wurde. Im Nebeneinander siehts auch… ähm… ein bisschen psychedelisch aus. Viel weniger psychedelisch, aber dafür nervig, dreckig und laut sind Baustellen im realen Leben.

Grausamkeit 2.0

Sehr schlimm (wie unpassend, ja harmlos mir dieses Wort beim Tippen erscheint) war die Katastrophe auf der Loveparade in Duisburg. Sehr schlimm wirkt es aber auch, wenn sich die technischen Formen des so genannten “Web Zwo Null” mit dem realen Leiden und Sterben kombinieren. Es gibt Tage, an denen mir das gegenwärtige Internet mit seiner oft so manifesten Stumpfheit zuwider ist.

Bücher

Filme haben wir ja öfter, aber auch die Bücher sollen nicht vergessen werden…

Deutlich außerhalb jeder Konkurrenz steht der erste Twitter-Roman.

Filme

Blogleichen

Leider gibt es im Juli eine Blogleiche zu vermelden, die Zwischenzeiten sind eingestellt. Es besteht allerdings — habe ich mir sagen lassen — eine klitzekleine Chance, dass Mira demnächst an anderer Stelle weiter bloggen wird, nicht bei MySpace (mit einer doch eher… ähm… unbefriedigenden Technik), sondern in einem “richtigen” Blog. Das ist aber alles noch nicht reif.

Picknicken?

Schade eigentlich, dass es mit dem Blogger-Picknick nichts geworden ist. Aber es wird noch ein paar Tage warm bleiben, und die Idee lässt sich mit geringem Aufwand kurzfristig durchführen. Vielleicht mag ja noch jemand mitmachen. Oder brauchen wir wirklich alle immer WLAN?

Sparidee des Monats

Es ist wichtig, dass das Klopapier maximalen Komfort auf beiden Seiten schenkt, denn so können wir alle besser sparen, indem wir es beidseitig benutzen. Der Erfolg liegt auf der Hand.

Wie immer habe ich alle Links beinahe wahllos gestreut und alle Verbindungen, die ich damit hergestellt habe, entspringen meiner gewiss hochgradig verzerrten Wahrnehmung (jetzt hätte ich fast schon Wahnnehmung geschrieben). Das Ergebnis darf und soll beliebig gefleddert werden. Euer Elias.

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