Monatsrückblick Mai 2010

Monatsrückblick Mai 2010

Ja, der Mai hat noch ein paar Tage, aber das Wetter ist dermaßen doof und sonnenlos und kalt, dass nicht einmal mehr die Amseln richtig schwarz werden und man sich schon das Ende des Wonnemonats wünscht. Deshalb setze ich mal hin und verfasse wie üblich einen Rückblick, indem ich schneller schreibe als denke.

Zum Glück haben sich die Kastanien nicht an der Kälte gestört, und für die Enten ist auch gesorgt. Bunt ist es sowieso.

Bloggendes Hannover

Ja, das Bloggende Hannover ging lange in mir damit schwanger und hat jetzt ein Redesign geboren. Übrigens ist hier jetzt auch ein Forum integriert, bei dem ich auch gespannt bin, ob es wohl angenommen wird. Vielleicht hilft es ja in Zukunft ein bisschen, dass man sich neben dem Lesen auch austauscht. Ach, ihr twittert schon alle… na gut, denn wars eben umsonst. Dabei war es gar nicht einfach, sondern hatte etwas von einer administrativen Strafexpedition.

Blogleichen

Bei Redesign habe ich bemerkt, dass hier einige Blogleichen herumliegen. Beim blog2.de kommt schon seit einem halben Jahr nichts mehr, die Idee eines Bottelòns in Hannover ruht seit neun Monaten vor sich hin, der jüngste Artikel im Datenschutz-Journal hat ein stolzes Alter von 16 Monaten und beim Trudeltreffen hat es sich seit neun Monaten irgendwie ausgetrudelt. Ich habe ja durchaus Verständnis dafür, wenn einmal ein halbes Jahr lang nichts kommt — man hat ja nicht immer etwas mitzuteilen — aber diese Leichen werden hier in der nächsten Zeit verschwinden, wenn sie keine Auferstehung erleben sollten.

Übrigens liefert die Ha.us-Frau seit über drei Monaten nur noch einen HTTP-Fehler 403 (Forbidden) aus, so dass auch dieses Blog demnächst hier verschwinden wird.

Aber wer weiß, vielleicht gibt es demnächst ein paar Wiedergänger.

Keine Blogleiche und schon gar kein Wiedergänger ist das Spielkind, das ist nur umgezogen.

Trauriges

Die Silke Arp bricht ist tot. Damit ist der letzte Ort aus Hannover verschwunden, der diesem Haufen von kalten Häusern zwischen den Mittelgebirgen und der norddeutschen Tiefebene noch etwas Liebreiz gegeben hat. Da hilft alles trotzige Summen von Lennon-Melodien nichts, dieser Tod ist das Ende. Und zwar das Ende einer einst viel greifbareren kulturellen Vielfalt des Stadtlebens. Was bleibt, ist die Einfalt und der rottende Müll, der hier Kunst zu ersetzen hat. Und der Club der total toten Dichter, der den Sozialpädagogen und Schickimickialternativen in der Faust stakkatierend in die Ohren boxt. Für die hannöversche Presse verlief dieses Sterben übrigens unbemerkt, bei der kann man das Lokale lange suchen. Ich bin als Adressat für diesen Mist schon lange nicht mehr verfügbar, für diese ganze Abschweifungsprosa als Antwort auf die Verknappung von Selbsterlebten. Was hier geblieben ist, das ist ein reichgeziertes giftblaues schneeweißes Nullie, es ist bitter, bedeutungslos, leer.

Nee, ich vermisse die kleine Silke mit ihrer in falscher Richtung verlaufenden Peristaltik.

Ereignetes

Wie immer, wurden am 1. Mai die üblichen Aufführungen mit allerlei Parolen und Plakaten gemacht. Wenn die Tradition “in” ist, denn ist sie tot. Tja, und auch Hannover 96 hatte Anfang des Monats mehr als nur einen Tag der Arbeit vor sich, aber es hat ja schließlich für den Klassenerhalt gereicht, obwohl Gott keine Tore geschossen hat. Sensationell! Ununtergehbar! Zumindest in diesem Jahr. Oder haben die einfach nur gesehen, wie Zauberei wirklich funktioniert?

Wer da weise ist, vermeidet solcherart Aufregungen und bastelt schüchterne Eulen. So lange wir leben, sind wir schließlich Künstler. Hoffentlich werden wir keine Journalisten, denn unter Recherche versteht man heute das Umformulieren von Pressemitteilungen.

In Niedersachsen wird zwar sehr variabel wappengewiehert, aber ansonsten immer noch Deutsch gesprochen, und nicht nur ein bisschen.

Übrigens finde ich, dass es viel häufiger einen autofreien Sonntag geben sollte. Darüber freuen sich nicht nur Leistungsträger mit rostiger Kette, sondern auch die vom unentwegt röhrenden Krach geplagten Ohren und die davon gestressten Synapsen zwischen ihnen. Aber es sind eben nicht die Menschen, die sich die Erde untertan gemacht haben, sondern die Autos.

Datenfeldweg

Die DeNIC legte den größtmöglichen Fail hin und schaltete mit einem klassischen DNS-Fuckup die Top-Level-Domain .de ab. Ganz schön verunglückt. Immerhin ist dabei mal allen klar geworden, dass gewisse Teile des Internet gar nicht so dezentral sind. Aber ein Gutes hat es auch gehabt, es gab zwei Stunden lang keine Spam, nicht einmal von Facebook, die inzwischen so spammig geworden sind, dass ihnen und ihren Nutzern per WordPress-Plugin die Meinung gesagt werden kann.

Nahverkehrtes

Pro-D-Tunnel ist jetzt ein Verein. Hoffentlich trägt der Einsatz für einen besseren Nahverkehr auch Früchte, obwohl Hannover dauerhaft in der Klemme ist.

Geburtstagsgefeiertes

Eigentlich wollte ich PacMan, diesen kleinen, gelben Markstückfresser, eine gelbe Geburtstagstorte “backen”, aber mein Blender war sehr unkooperativ und funktionierte wegen eines Problemes mit meiner OpenGL-Installation nicht. Nun gut, dann gibt es eben Krach für jene Pixelwesen der frühen 80er Jahre, die unsterblich sind, obwohl sie ihre Pixelleben immer wieder ausgehaucht haben. An seinem Geburtstag hat PacMan ja noch einmal richtig Appetit bekommen.

Apropos Achtziger Abtörnjahre: Eine gewisse Unsterblichkeit haben auch AC/DC. Und auch dort hat sich nicht viel getan (okay, Bon Scott ist viel zu früh gestorben), und Angus Young wird wohl auch als 75jähriger Rockopa noch in Schuluniform auftreten…

Kommendes

Irgendwann im August kommt wieder dieses Fährmannsfest, das schon lange nicht mehr das ist, was es einmal war. Wenn man mich fragt, sehr zum Schaden der Veranstaltung. Aber mich fragt ja keiner.

Viel früher kommt die FIFA-Fußball-WM 2010, die auch schon lange nicht mehr das ist… ach, ich wiederhole mich. Es ist aber auch alles ein Mist. Ein WC. Immerhin ist hier nicht jeder für Schland.

Kein Mist, sondern ein gewiss fröhliches, vom Austausch geprägtes Ereignis wird das Bloggertreffen am 13. Juni im MisterQ am Raschplatz — auch aus dem Umland eine Reise wert. Vorfreude kommt auf.

Ach ja: Der Grand Prix d’Eurovision de la Chanson — ach Mist, selbst das ist heute englisch, also der “Eurovision Song Contest” — kommt ja auch bald. Mit Lena. Aus Hannover.

Künstlerisches

Kunst ist Zusammenarbeit zwischen Gott und dem Künstler, und je weniger der Künstler dabei tut, desto besser.

André Gide (1869-1951)

Auch, wenn Kunst droht, zu einer Sondersparte zu geraten, die nur einer Minderheit ohne Angstbarriere zugänglich ist, kann ich nur empfehlen, spätestens zum kommenden Wochenende einmal im KUBUS bei der Ausstellung “Elementarkräfte” vorbeizuschauen. Die Ankündigung verspricht art brut in ihrer feinsten, erschütterndsten Form. Schade eigenlich, dass ich es nicht mehr schaffen werde.

Filme

Und etwas außer der Reihe: Das Spielkind ♡ Soundtracks, und auch Phil hat die besten Soundtracks benannt.

Post des Monats

Respekt vor Katzen ist der Anfang jeglichen Sinnes für Ästhetik. Jaou!

6 Reaktionen zu “Monatsrückblick Mai 2010”

  1. Viellen Dank für’s Mai-Update. Das mit dem Wetter wird schon noch. Morgen sorgt erst mal unsere leicht durchgeknallte Lena für Stimmung auf dem Trammplatz. Am nächsten Wochenende dann das 3-tägige Plaza-Festival mit Sunrise Ave., Stanfour, Kim Wilde, Milow, Silbermond und den Simple Minds. Und ab der übernächsten Woche dürfen wir uns über die Fussball-WM in Südafrika freuen. Hoffentlich bleibt alles friedlich. Waka Waka – This Time for Africa ;-)

  2. Exerzitia sagt:

    Habemus mediatorus vehemens in te, Elias! Wir danken es Dir – ich und die Anderen! Alles hannöversch Weltläufige auf einem Haufen, auf einen Blick, auf einer Seite: So macht man aus einer “unterschätzten Stadt” mindestens eine geschätzte, wenn nicht gar eine …

    Aber okay ;) . Bei mir jedenfalls ergibt sich das frohe Imago einer aufbrechenden, intellektuell pulsierenden, kunstversessenen Metropole, die endlich einer von der Leine lässt! Salve :) !

  3. derhenry sagt:

    Yea, ich wollte schon immer mal über das Wort “doof” verlinkt sein. ;)
    Grüße

  4. Oh, das gibt eine ganz besondere Form der “Google-Liebe”. Beim nächsten Mal mache ich es besser, versprochen. ;-)

  5. Sebastian sagt:

    Nach einer technischen Karenzzeit gehts nun auf blog2.de wieder weiter :)

  6. Ah, das ist eine gute Nachricht, Sebastian. Das Blog ist wieder drin.

    Warum räume ich überhaupt auf, wenn denn auf einmal alle wieder zu bloggen anfangen… ;-)

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