Rückblick Mai 2009

Rückblick Mai 2009

Der kalte Winter scheint vergessen, auch der Mai geht zum Ende und macht dem Juni Platz. Selbst die Wolken schmelzen dahin und rufen zum Trudeln in den Biergarten. Bei 17 Grad Temperatur und 1027 Hektopascal Luftdruck ziehe ich es mit meinem gegenwärtigen Kopfschmerz vor, nicht unter der durchbrochenen Bewölkung in einer Höhe von 1829 Metern in einem Biergarten zu sitzen, sondern in einem abgedunkelten Raum, in dem ich ein gutes Internet zur Verfügung habe — damit auch der Mai seinen kleinen Rückblick im bloggenden Hannover bekommt. Sind die Angaben in diesem kleinen Wetter-Widget nicht vollkommen überflüssig, wenn man doch einfach nach draußen gehen kann? Und bei allem Hauch des Sommers nicht vergessen, es sind nur noch 209 Tage bis zum 25. Dezember! Das heißt aber nicht, dass Marzipankartoffeln zu Ostern nicht schmeckten. Na denn: Frohe Weihnachten!

Wer so ein Widget übrigens in sein WordPress-Blog verbasteln will, der bediene sich beim Weather Icon. Leider wird dieses Plugin nicht mehr weiterentwickelt und ich habe auch noch nicht die Muße gefunden, die kleineren Rauheiten und Fehler dieses Codeschnippsels zu beheben. Die Grundfunktion läuft jedenfalls erfreulich gut…

Deprimierendes

Ich habe es gerade in meinem Tagebuch — natürlich einem aus Papier — gefunden: Heute vor drei Jahren, am 30. Mai 2006 machte ich mir das erste Mal Gedanken über das Design meines alten Blogs “Lumières dans la nuit” und notierte meine Ideen zum Farbschema, zur grundsätzlichen Gestaltung, zum Namen und zur inhaltlichen Ausrichtung. Niemals hätte ich geglaubt, dass ein derartiges Projekt mehr als eine Handvoll Leser am Tag anzieht, aber es kam alles anders, zwischenzeitlich schien ich sogar in den so genannten “Blogcharts” auf. Letzteres hatte vor allem eines zur Folge: Eine Flut von Spam. Na ja, irgendwann bloggte ich sogar über Spam, um dem täglichen Wahnsinn wenigstens ein bisschen Genuss abzutrotzen. Das “bloggende Hannover” entstand schließlich als ein weiteres, kleines Nebenprojekt dieses Blogs. Leider wurde ich für mein bisschen marginalisiertes Bloggen so sehr angefeindet — es ging von juristisch verstärkten Drohgebährden bis hin zu verteilten DoS-Attacken gegen den Server — dass ich es schließlich einstellen musste. Und das finde ich deprimierend. Die politische Schönheit hat es eben zurzeit sehr schwer, und wer weiß schon, welche Ausmaße der allgemeine Lochfraß noch annehmen wird.

Von wegen “rechtsfreier Raum Internet“! So richtig rechtsfrei fühlt man sich ganz woanders.

Neues

Um nicht ganz so deprimiert zu sein, habe ich mich dazu durchgerungen, ein anderes eher etwas altes Projekt von mir in das “bloggende Hannover” aufzunehmen, die Fraktalen Welten. Hier gibt es beinahe nie einen Text, sondern nur einfache Computergrafiken, so genannte Fraktale (und vergleichbare Grafiken). Dies sind Grafiken, die durch die fortgesetzte Iteration oft sehr einfacher Formeln und einer darauf basierenden Einfärbung der Gaußschen Ebene der komplexen Zahlen entstehen. Klingt beeindruckend, ist aber in der Praxis recht einfach und macht zumindest mir immer wieder eine große Freude. An den Veröffentlichungszahlen im Archiv kann man allerdings sehen, dass ich nicht immer für “Nachschub” sorgen kann…

Wer allerdings den kruden Appeal der Achtziger und Neunziger Jahre nicht mag und eher aufwändige Renderings wie die Verwandlung der Erde…

Der Erdkaktus

…in einen stachelbewehrten Kaktus schätzt, der wird dort zu kurz kommen.

Ereignetes

Der Mai begann nicht mit einer Demonstration der braunen Massen, wie lange zu befürchten war. Jedenfalls nicht in unserem Hannover, und nach Conneticut werden sie bestimmt nicht gereist sein. Das heißt aber nicht, dass man nicht anderen Formen der Gehirnwäsche begegnen könnte, zur Abwechslung einmal “in fromm” verpackt.

Immerhin, die Maßnahmen zur Resozialiserung straffälliger Menschen zeigen erste Erfolge. :lol:

Da hören wir denn doch lieber Musik fürs Herz. Wer an der Strecke lebte, konnte sich dabei ja mit verstöpselten Ohren anschauen, wie Leute sinnlos durch die Straßen laufen und dabei darüber nachsinnen, wie leicht sich das Wort “Freiheit” doch so umdefinieren lässt, dass man es mit einem Gefängnis verwechselt. Das ist ja auch durchaus ein wichtiges Thema der Zeit, auch und gerade im gegenwärtig bedrohten Internet, dessen Nutzer sich des Artikels 17 GG besinnen.

Ach ja, wo man zensiert und verschwinden lässt, da will man auch anderes verbieten, wenn auch das angestrebte Gotcha-Verbot inzwischen den Weg aller wirrer Hektik der Wahlkämpfer gegangen ist und für die nächste Welle der medial gesteuerten Empörung beiseite gelegt wurde. Eigentlich schade, denn ein Verbot von Erbsenpistolen, Krimis und Kruzifixen wäre doch die logische Folge gewesen. Computerspiele sowieso. Und satanisch anmutende Tachometer gleich hinterher. Und jeder, der sich gegen diese ausgewogenen und sinnvollen Maßnahmen sperrt, löst bei den geliebten, verantwortungsvollen Regierenden nur Betroffenheit aus. Und Terroristen sind sowieso alle. Und nach Meinung von Pornoproduzenten jugendfrei sowieso nicht. Was wir hier gerade erleben, macht den Eindruck einer experimentellen Geschichtsforschung.

Ach ja, denn war da noch etwas, was mich an mich selbst zweifeln ließ. Da loggte ich mich bei Twitter ein, und las dort immer nur #esc. Ich deutete diese Abkürzung als “Escape” und fragte mich eine halbe Stunde lang, wovor die Leute eigentlich fliehen wollen — bis mir plötzlich klar wurde, dass das der ehemalige “Grand Prix d’Eurovision de la Chanson” sein muss, der jetzt zum englischklingenden “European Song Contest” geworden ist — und aus der deutschen Teilnahme ist natürlich das Übliche geworden. Was Wunder, bei den Retortenprodukten der Content-Industrie, die immer dorthin geschickt werden.

Angemerktes und Statistisches

Übrigens war Konfirmationsrede einer der Suchbegriffe, die in verschiedenen Abwandlung im Mai immer wieder Besucher zum “bloggenden Hannover” geführt haben. Und jemand da draußen hat sich den “Spaß” gemacht, gleich die gesamte Website des “bloggenden Hannover” mit GNU Wget auf seinen heimischen Rechner zu holen. Als ob in Hannover nicht jeden Tag etwas Interessantes gebloggt würde…

Dem Zeitgenossen allerdings, der Google mit dem Suchbegriff “ist niedersachsen mein lieblingsland” losschickte, kann ich nur empfehlen, sich einfach mal die anderen Bundesländer anzuschauen. Cuxhaven gibt es aber nur hier, und in das Bundesland Hamburg kann man bei Ebbe zu Fuß gehen, wenn man den Weg nach Neuwerk nicht scheut, eine Uhr trägt und die Gezeiten auf dem Schirm hat. Die — weitere Suchbegriffe im Mai — “nutten hannover” und “nudisten hannover” sind jedenfalls kein so gutes Argument für die niedersächsische Landeshauptstadt, vor allem Nudisten sind hier meist nicht so interessant. Da konnte man im scheinbar so prüden München schon viel ansprechendere Nackedeis auf den Kiesbänken der Isar sehen, wenn man den Stadtkern ein bisschen durch den Englischen Garten in Richtung Bogenhausen und Oberföhring verließ. Ach, was rede ich. Ich bin hier im recht harmlosen Hannover und frage mich, wie jemand mit dem Suchbegriff “moderationsarten wikipedia” hier in diesem Aggregator landen konnte…

Post des Monats

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte und kommt völlig ohne Worte aus: Rudis Locken Puff.

Wie immer ist dieser kleine Rückblick völlig subjektiv und alle hierin hergestellten Verbindungen zwischen Posts sind meine eigene Willkür. Wer mag, der darf und soll weidlich zerpflücken, was hier steht…

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